ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2006AntiHypertonika: Renin-Hemmung als neuer Therapieansatz

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AntiHypertonika: Renin-Hemmung als neuer Therapieansatz

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LNSLNS Da Renin das Schlüssel- und geschwindigkeitsbegrenzende Enzym der Angiotensin-II-Biosynthese ist, versucht man seit langer Zeit, direkte Inhibitoren als Antihypertensiva zu entwickeln. Der einzige und entscheidende Nachteil war bisher die mangelnde orale Bioverfügbarkeit, da alle Prototypen bereits vor ihrer Resorption im Magen-Darm-Trakt zerstört wurden. Mit Aliskiren wird nun der erste orale bioverfügbare Renin-Inhibitor klinisch geprüft, der beim Menschen wirksam ist.
„Die Aktivierung des Renin-Angiotensin-Systems spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Schlaganfalls, der Herzhypertrophie, des Herzinfarkts, der Herzinsuffizienz, der Proteinurie und des Nierenversagens“, betonte Prof. Roland E. Schmieder (Universität Erlangen-Nürnberg) in Essen. So hätten prospektive Studien gezeigt, dass die Myokardinfarktrate in Abhängigkeit mit der Plasmarenin-Aktivität steige.
„Während Diuretika, ACE-Hemmer und AT1-Blocker zu einer Erhöhung der Plasmarenin-Aktivität führen, senkt Aliskiren sie“, erklärte Priv.-Doz. Dr. Ralf Dechend (Charité, Berlin). Im Tiermodell habe Aliskiren auch erfolgreich die Angiotensin-II-bedingten Endorganschäden verhindern können, erläuterte Dechend. Bekannt sei, dass erhöhte Angiotensin-II-Spiegel das Herz-Kreislauf-System, die Nieren und das Gehirn schädigen könnten.
„Unter Aliskiren kommt es nicht zu einer Akkumulation von Angiotensin II (wie unter AT1-Blockern) und auch nicht zu einem Eingriff in das Kinin-System (wie unter ACE-Hemmern)“, betonte Prof. Jan Galle (Klinikum Lüdenscheid). Die antihypertensive Wirkung entspreche der der ACE-Hemmer und AT1-Blocker.

Die Halbwertszeit von Aliskiren liegt bei 25 bis 30 Stunden. Um die Blutdruckreduktion 24 Stunden lang aufrecht zu halten, ist eine einmal tägliche Gabe ausreichend. Klinische Studien haben gezeigt, dass Aliskiren in der Monotherapie ein effektives Antihypertensivum ist, sagte Dechend. Die optimale Dosierung sei 150 mg, die bei Bedarf auf 300 mg erhöht werden könne.
Keine Interaktionen mit häufig verwendeten Arzneimitteln
In der Kombinationstherapie ergäben sich sichere und effektive Kombinationen mit Diuretika, Kalzium-Kanal-Blockern, ACE-Hemmern und AT1-Blockern. Bei Dosierungen bis 300 mg zeigten sich nach Angaben von Novartis bei der Sicherheits- und Verträglichkeitsprüfung keine Auffälligkeiten, erst ab einer Dosis von 600 mg wiesen die Patienten gastrointestinale Beschwerden, beispielsweise Durchfall, auf.
Die Substanz erfülle alle Anforderungen an ein neues Antihypertensivum, betonte Schmieder. Die Blutdrucksenkung liege bei Monotherapie numerisch im zweistelligen Bereich, in Kombination sei die Wirkung additiv. Sie halte über 24 Stunden an, und die Verträglichkeit des Mittels sei ähnlich der von Placebo. Es gebe zudem keine Interaktionen mit häufig verwendeten Arzneimitteln wie Warfarin, Digoxin, Atenolol, Cimetidin oder Celecoxib. Die Zulassung in den USA ist beantragt und wird für 2007 erwartet, in der EU rechnet Novartis für 2008 mit der Markeinführung.

Katrin Breitenborn

Pressekonferenz der Firma Novartis zu „Hypertonie: Reninhemmung als neuer Therapieansatz“ anlässlich des 37. Kongresses der Gesellschaft für Nephrologie/39. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Klinische Nephrologie in Essen, Veranstalter: Novartis Pharma
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