ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2006Qualitätssicherung: Manchmal ist Hartnäckigkeit im Dialog notwendig

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Qualitätssicherung: Manchmal ist Hartnäckigkeit im Dialog notwendig

Gerst, Thomas

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LNSLNS Auf der Ergebniskonferenz externe stationäre Qualitätssicherung wurden neue Ergebnisse zur medizinischen und pflegerischen Qualität in Krankenhäusern vorgestellt.
Wie sagt man dem Chefarzt, dass die Performance seiner Klinik relativ schlecht ist? Dass dies mitunter problematisch sein kann, liegt auf der Hand. Das Zauberwort in der externen stationären Qualitätssicherung lautet „strukturierter Dialog“. Gemeint ist damit das Verfahren, das über die Landesgeschäftsstellen Qualitätssicherung in Gang gesetzt wird, sobald es beim Vergleich bestimmter Prozeduren in den Krankenhäusern zu statistischen Auffälligkeiten kommt. Der strukturierte Dialog – wie werden schlechte Behandlungsabläufe identifiziert, welche Impulse kann man geben? – bildete einen der Arbeitsschwerpunkte der von der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) am 7. November in Berlin veranstalteten „Ergebniskonferenz externe stationäre Qualitätssicherung“. Wichtig sei es, führte Dr. med. Frank Thölen von der BQS aus, beim strukturierten Dialog das Subsidiaritätsprinzip zu beachten, das heißt, so viel wie möglich müsse von den Ärzten an dem jeweiligen Krankenhaus selbst in Angriff genommen werden.
Suche nach Auffälligkeiten
Eine Abweichung nach unten vom statistischen Mittelwert – etwa bei der Zahl erfolgreich verlaufener Hüft-Totalendoprothesen-Wechsel – lasse zunächst noch keinen direkten Rückschluss auf eine mangelhafte Qualität bei der medizinischen Versorgung in einem bestimmten Krankenhaus zu. Daten seien stets erklärungsbedürftig, und es sei durchaus vorstellbar, dass eine solche Abweichung durch eine hohe Anzahl von Hochrisikopatienten erklärt werden könne.
Die Stichhaltigkeit der Begründungen wird von ausgewiesenen Experten in den BQS-Fachgruppen überprüft. Die Fachgruppen auf Landesebene entscheiden, ob statistische Auffälligkeiten erklärt werden konnten oder ob Handlungsbedarf besteht, zum Beispiel in Form einer Begehung des Krankenhauses durch eine interdisziplinär zusammengesetzte Kommission, die möglicherweise Defizite in der medizinischen Versorgung feststellt. Ziel sei es, auf jeden Fall die spezifische Situation eines Krankenhauses zu berücksichtigen, betonte Dr. med. Christof Veit von der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft. Andere Referenten merkten an, dass es mitunter einer gewissen Hartnäckigkeit im Dialog mit den betroffenen Krankenhäusern bedürfe. Dr. med. Hans-Joachim Bücker-Nott von der Ärztekammer Westfalen-Lippe verwies auf die hundertprozentige Rücklaufquote bei der Landesgeschäftsstelle Qualitätssicherung. „Wenn wir eine Antwort im strukturierten Dialog erwarten, dann kriegen wir sie auch.“ Aber: Manchmal seien Mahnungen nötig oder, wenn alles nichts helfe, ein Telefonat mit dem Kammerpräsidenten, der dann aktiv werde. In letzter Konsequenz könne ein Berufsgerichtsverfahren drohen, was bisher aber noch nicht vorgekommen sei.
Mit ihrer Anwesenheit bei der BQS-Ergebniskonferenz unterstrich Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt, welch große Bedeutung die Gesundheitspolitik der Qualitätssicherung beimisst. „Qualitätssicherung ist für mich ein wesentlicher Bestandteil eines guten Gesundheitswesens“, versicherte sie. Über das Setzen von Qualitätsstandards werde sich immer mehr ein Qualitätswettbewerb entwickeln. „Wir wünschen, dass sich der Patient zukünftig anhand der Qualitätsindikatoren für eine bestimmte Klinik entscheidet.“ Zu diesem Zweck sei es wichtig, dass etwa auch die Ergebnisse des BQS-Qualitätsreports den Patienten noch besser vermittelt würden. Die Ge­sund­heits­mi­nis­terin verteidigte die im GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz vorgesehene direkte Anbindung einer einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung an den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss. Die Verbände und Organisationen des Gesundheitswesens sollten weiter mit einbezogen bleiben, versicherte Ulla Schmidt.
Einheitliches Verfahren nötig
Auf die hohe Beteiligungsrate und Akzeptanz der Krankenhäuser beim BQS-Verfahren verwies Prof. Dr. med. Michael-Jürgen Polonius, Vorsitzender des G-BA in seiner für Krankenhausbehandlung zuständigen Besetzung. Stichprobenartige Überprüfungen belegten eine verlässliche Dokumentation durch die Krankenhäuser. Aus den Rückkoppelungen mit den Krankenhäusern hätten sich konkrete und für die Patientenversorgung bedeutende Qualitätsverbesserungen ergeben. Zukünftig sei es wichtig, zu einem sektorenübergreifenden Verfahren zu kommen, um Langzeitergebnisse erheben zu können und Schnittstellenprobleme zu überwinden. Polonius kritisierte, dass die Fehler- und Qualitätskultur in den einzelnen Bundesländern noch sehr unterschiedlich ausgeprägt sei. Es sei dringend erforderlich, die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Verfahren zum strukturierten Dialog zu einem einheitlichen Verfahren zusammenzuführen.
Thomas Gerst
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