ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2006Intraoperative anatomische und funktionelle Hochfeld-MR-Bildgebung in der Neurochirurgie: ALA-Technik nicht erwähnt

MEDIZIN: Diskussion

Intraoperative anatomische und funktionelle Hochfeld-MR-Bildgebung in der Neurochirurgie: ALA-Technik nicht erwähnt

Dtsch Arztebl 2006; 103(47): A-3201 / B-2788 / C-2671

Reulen, Hans-Jürgen

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LNSLNS Einige der Aussagen der Arbeit vermitteln ein etwas einseitiges Bild; zudem wird eine wichtige alternative Methode (ALA-Technik) für die Operation der häufigsten hirneigenen Tumore, den malignen Gliomen, nicht erwähnt. Das Prinzip der ALA-Technik wurde in dieser Zeitschrift vorgestellt (1); eine Phase-III-Studie, an der 18 deutsche Neurochirurgische Kliniken teilgenommen haben, ist erfolgreich abgeschlossen und in Lancet Oncology publiziert (2). In Interessenvertretung der teilnehmenden Kliniken und als Studienleiter fühle ich mich zu dem vorliegenden Leserbrief verpflichtet. Bei der Gliomchirurgie sind Methoden wünschenswert, die den Tumor mit seiner fließenden Übergangszone direkt sichtbar machen. Das intraoperative Hochfeld-MR lässt dies nicht zu; es ist eine indirekte Methode, und zudem nicht in kurzen Abständen anwendbar. Hingegen kann bei der ALA-Methode die Resektion unter fortlaufender Kontrolle erfolgen. Um einen signifikanten Überlebensvorteil zu erzielen muss der in der Fluoreszenz-Bildgebung sichtbare Teil des Tumors vollständig entfernt werden. Hier bietet die ALA-Technik einen eindeutigen Vorteil; die Zahl der kompletten Resektionen in der Kontrollgruppe betrug 36 Prozent und in der ALA- Gruppe 65 Prozent, im Vergleich zu 38 Prozent mittels MR-Kontrolle. Die Mehrkosten zur Beschaffung eines zur Fluoreszenzerfassung aufgerüsteten Standardoperationsmikroskops liegen bei etwa 40 000 Euro; die Kosten für die Anschaffung eines intraoperativen Hochfeld-MR bei fünf bis sechs Millionen Euro. Aufgrund der begrenzten Ressourcen im Gesundheitswesen werden intraoperative Kernspintomographen nur an wenigen universitären neurochirurgischen Einrichtungen zum Einsatz kommen. Für die breite Mehrheit der neurochirurgischen Kliniken bestehen ausreichend Möglichkeiten, hervorragende und vergleichbare Ergebnisse mit kostengünstigen Techniken zu erzielen.

Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Reulen
Kastellstraße 5, 81247 München

Interessenkonflikt
Prof. Reulen erhielt Reisekostenerstattungen der Firma Medac.
1.
Stummer W, Meinel T, Reulen HJ: Phase-III-Studie zur fluoreszenzgestützten Resektion maligner Gliome mit 5-Aminolävulinsäure. Dtsch Arztebl 2001; 98(7): A 407. MEDLINE
2.
Stummer W, Pichlmeier U, Meinel T, Wiestler OD, Zanella F, Reulen HJ: ALA-Glioma Study Group. Fluorescence-guided surgery with 5-aminolevulinic acid for resection of malignant glioma: a randomised controlled multicentre phase III trial. Lancet Onc 2006; 7(5): 392–401. MEDLINE
1. Stummer W, Meinel T, Reulen HJ: Phase-III-Studie zur fluoreszenzgestützten Resektion maligner Gliome mit 5-Aminolävulinsäure. Dtsch Arztebl 2001; 98(7): A 407. MEDLINE
2. Stummer W, Pichlmeier U, Meinel T, Wiestler OD, Zanella F, Reulen HJ: ALA-Glioma Study Group. Fluorescence-guided surgery with 5-aminolevulinic acid for resection of malignant glioma: a randomised controlled multicentre phase III trial. Lancet Onc 2006; 7(5): 392–401. MEDLINE

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