ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2006Intraoperative anatomische und funktionelle Hochfeld-MR-Bildgebung in der Neurochirurgie: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Intraoperative anatomische und funktionelle Hochfeld-MR-Bildgebung in der Neurochirurgie: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2006; 103(47): A-3201 / B-2788 / C-2671

Nimsky, Christopher

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LNSLNS Wir stimmen mit Prof. Reulen völlig überein, dass die im Mai diesen Jahres veröffentlichten Ergebnisse der ALA-Studie den Nutzen dieser Technik bei der Resektion von Glioblastomen in überzeugender Weise zeigte. Bei Glioblastomen mag der Einsatz der ALA-Technik eine Alternative zur rein anatomischen intraoperativen Bildgebung darstellen. Bislang war ein direkter Vergleich der ALA-Technik/intraoperative Bildgebung aufgrund der Phase-III-Studie ausgeschlossen. Der Vergleich der mit beiden Methoden erzielten Resektionsausmaße ist nicht möglich, da in beide Studien ganz unterschiedliche Patienten eingeschlossen wurden (ALA-Studie: komplette Resektion sollte möglich erscheinen/intraoperative Bildgebung: an eloquente Areale angrenzende Tumore, bei denen keine komplette Resektion angezeigt war).
Die Möglichkeiten der intraoperativen Hochfeld-MR-Bildgebung gehen weit über das Einsatzgebiet der anatomischen Resektionskontrolle bei Glioblastomen hinaus. Von insgesamt 1 105 Patienten, die bislang in Erlangen mithilfe der intraoperativen MR-Bildgebung untersucht wurden, waren nur 108 Patienten bei denen eine Resektionskontrolle bei einem Glioblastom erfolgte, das heißt 9,7 Prozent. Der wesentliche Einsatz der intraoperativen Bildgebung bei Gliomen ist sicher insbesondere in den niedergradigen Gliomen zu sehen. Darüber hinaus hat die intraoperative Hochfeld-MR-Bildgebung einen sehr hohen Stellenwert bei Hypophysentumoren, epilepsie-chirurgischen Eingriffen und navigationsgestützten Operationen. Ein weiterer Vorteil gegenüber Niederfeld-MR-Bildgebung, Ultraschall und Computertomographie sind die funktionelle und metabolische Bildgebung mit funktionellem MR, Diffusions-Tensor-Bildgebung und MR-Spektroskopie. Letztere bieten auch besondere Möglichkeiten zur Charakterisierung der Tumorrandzone, die über die rein visuellen Aspekte der ALA-Technik hinausreichen. Die Integration dieser Daten in die Navigation mit der Möglichkeit der intraoperativen Korrektur erlaubt ausgedehntere Resektionen ohne zusätzliche neurologische Defizite. Gerade bei höhergradigen Gliomen hängt die Prognose des Patienten ganz wesentlich von niedrigen postoperativen neurologischen Defiziten ab. Der kombinierte Einsatz von Hochfeld-MR-Bildgebung und funktioneller Neuronavigation erlaubt, das Maximum einer Resektion bei erhaltener neurologischer Funktion zu erreichen.

Für die Verfasser
PD Dr. med Christopher Nimsky
Neurochirurgie Universität Erlangen
Schwabachanlage 6
91504 Erlangen

Interessenkonflikt
PD Dr. Nimsky erhielt Industriedrittmittel der Firmen Siemens und Brainlab

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