ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2006Industrie-gesponserte Reviews sind weniger differenziert

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Industrie-gesponserte Reviews sind weniger differenziert

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LNSLNS Pharmaka werden in Übersichtsarbeiten positiver dargestellt, wenn die Autoren industrielle Unterstützung erhalten. Dies vermuten Autoren vom Nordic Cochrane Centre in Kopenhagen. Sie haben Übersichtsartikel der Cochrane-Datenbank für systematische Übersichtsarbeiten mit Artikeln anderer Fachzeitschriften verglichen.
Ziel war es, zu einer Cochrane-Veröffentlichung eine Arbeit zu finden, in der die gleichen Pharmaka und Krankheiten getestet wurden. Dies gelang in 24 Fällen. Die beiden zu vergleichenden Übersichtsarbeiten erschienen innerhalb von zwei Jahren. Acht Publikationen wiesen eine Unterstützung von der Industrie aus. Hierunter verstand man den Erhalt von industriellen Drittmitteln, das Arbeitsverhältnis des Autors in der Industrie oder maßgebliche Unterstützung, beispielsweise bei der statistischen Analyse.
Neun Arbeiten fehlte eine Erklärung, und in sieben Fällen bestand kein Interessenkonflikt. Die Autoren bewerteten die Qualität der Metaanalysen mit maximal sieben Punkten. Dies erreichten alle Cochrane-Arbeiten. Die anderen Reviews erlangten lediglich drei Punkte. In allen von der Industrie gesponserten Übersichtsarbeiten sprach man sich vorbehaltlos für das evaluierte Pharmakon aus. Hingegen waren
die Autoren der Cochrane-Publikationen skeptischer: in sechs der acht Arbeiten wurden Qualität, Relevanz oder Ergebnisse infrage gestellt. Siebenmal fanden die Cochrane-Autoren den höheren Preis des neuen Medikaments problematisch. Diese Ansicht teilte keine der gesponserten Publikationen. Im Gegenteil, die Autoren zweier durch die Industrie geförderter Arbeiten fanden, dass die Innovation zum Vergleich zur herkömmlichen Behandlung kosteneffizient war.
Der Behandlungseffekt wurde in jeder Vergleichsarbeit annähernd gleich eingeschätzt. Die von der Industrie gesponserten Metaanalysen waren weniger transparent und kritisch hinsichtlich der methodischen Einschränkungen der berücksichtigten Studien als die Cochrane-Veröffentlichungen.
Die Publikationen ohne veröffentlichten Interessenkonflikt zeigten tendenziell die gleichen Schwachstellen wie die mit industrieller Unterstützung verfassten Reviews. Die Einschätzungen der Studien, in denen kein Interessenkonflikt bestand, stimmten mit den Einschätzungen von Cochrane gut überein, allerdings gab es Abweichungen, welches Medikament empfohlen wurde. me

Jørgensen A, HIlden J, Gøtzsche PC: Cochrane reviews compared with industry supported meta-analyses and other meta-analyses of the same drugs: systematic review.
BMJ 2006; 333: 782–5. E-Mail: pcg@cochrane.dk

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