ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2006Antibiotikagabe bei Kindern mit Otitis media

MEDIZIN: Referiert

Antibiotikagabe bei Kindern mit Otitis media

Lu

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LNSLNS Nicht alle an akuter Otitis media erkrankten Kinder profitieren von einer sofortigen antibiotischen Therapie. Sie sollen zunächst analgetisch behandelt und der Krankheitsverlauf beobachtet werden. Sechs randomisierte Studien mit diesem Ergebnis wurden von Maroeska Rovers und ihren Kollegen im Lancet vorgestellt. Für die Studien wurden 1643 akut erkrankte Kinder im Alter von sechs Monaten bis zwölf Jahren ausgewählt. Am wirksamsten waren Antibiotika bei den Kindern mit beidseitiger Otitis, die jünger als zwei Jahre alt waren und bei Kindern mit einseitiger eitriger Sekretion. Dies ist für die ärztliche Praxis von immenser Wichtigkeit. Es bedeutet, dass bei mehr als der Hälfte der erkrankten Kinder eine gründliche Verlaufsbeobachtung ausreichend ist. Wenn Ärzte weniger Antibiotika verschreiben, können Kosten eingespart werden. Die Nebenwirkungen der Präparate entfallen. Außerdem lässt sich die Resistenzentwicklung der Bakterien verringern. Es gibt Einwände gegen die Reduzierung der Antibiotikagabe. Man vermutet, das Risiko einer Mastoiditis könnte sich erhöhen. Diese Komplikation trat aber bei keinem der untersuchten Kinder auf. Um den Ärzten die Entscheidung über die Medikamentengabe zu erleichtern, sollten Richtlinien geschaffen werden, die alle Symptome klassifizieren. Andere bakterielle fieberhafte Erkrankungen wie Pneumonie, Sepsis oder Meningitis müssen mit Sicherheit ausgeschlossen sein. Dann kann eine Schmerzbehandlung zusammen mit der Aufklärung der Eltern und einer sorgfältigen Nachsorge ausreichen. Lu

Rovers MM, Glasziou P, Appelman C et al.: Antibiotics for acute otitis media: a meta-analysis with individual patient data. The Lancet 2006; 368: 1429–35. E-Mail: M.Rovers@umcutrecht.nl

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