ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2006Diagnose unbezahlbar. Aus der Praxis der Zweiklassenmedizin

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Diagnose unbezahlbar. Aus der Praxis der Zweiklassenmedizin

Herbert, Sibylle

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Sozialreportage: Fünfklassenhierarchie
Mit ihrem Bestseller „Überleben Glückssache. Was Sie als Krebspatient in unserem Gesundheitswesen erwartet“ (2004) sprach die WDR-Journalistin Sibylle Herbert vielen Patientinnen aus der Seele. Nach diesem Überraschungserfolg kam sie auf die nahe liegende Idee, im Stil von Egon Erwin Kisch die Sozialreportage auf die alltägliche Medizin auszudehnen. Ihre Kronzeugen für das, was in unserem Medizinbetrieb schiefläuft, sind eine niedergelassene Hausärztin im Rheinland und ein Leiter einer Krankenkassengeschäftsstelle. Beide waren nur unter der Zusicherung der Anonymität bereit, sich in die Karten schauen zu lassen.
Aus den Gesprächen mit diesen beiden Experten „vor Ort“ wird deutlich, dass längst eine Zweiklassenmedizin praktiziert wird, wobei es eigentlich sogar eine Fünfklassenhierarchie gibt, an deren untersten Ende sich die Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung befinden, die über keinerlei persönliche Beziehungen weder zu Mitarbeitern von Krankenkassen noch zu Ärzten und deren Personal verfügen. Nun wird man einwenden, das sei doch alles nicht neu, das wüssten wir doch eigentlich schon lange. Aber so deutlich hat das noch niemand den Lesern, insbesondere denjenigen, die nicht zu den Privilegierten, also den Mitgliedern einer privaten Krankenversicherung zählen, an zahlreichen konkreten Beispielen (etwa Wartelisten für Operationen, Rheumatherapien, Anschaffung von Badewannenlifts, Verschreibung von Vakuumbehandlungen und Lymphdrainagen) vor Augen geführt. Betroffen sind vor allem alte Menschen und chronisch Kranke.
Das Buch stimmt einen nachdenklich darüber, warum in der gegenwärtigen Debatte um die Finanzierung unseres Gesundheitssystems Politiker den Wählern nicht reinen Wein einschenken. Robert Jütte

Sibylle Herbert: Diagnose unbezahlbar. Aus der Praxis der Zweiklassenmedizin. Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2006, 294 Seiten, gebunden, 18,90 €

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