ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2006Rechtschreibung: Traurig
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Ich bin erschüttert von der Mitteilung, daß das DÄ beschlossen hat, die neue Rechtschreibung einzusetzen, und sich dabei auch noch obrigkeitshörig auf die „offizielle“ Neuregelung und die „amtlichen“ Regeländerungen beruft. Es ist traurig, daß Sie somit ohne Not einen bürokratischen und ideologischen Ungeist unterstützen und bei der Mißachtung der Sprache mitmachen. Maßgeblich sollte allein die lebendige Sprache selbst sein. Kein Amt kann, darf über die Sprache verfügen. Und fängt nicht vielleicht auch die Aufgabe des Heilberufs überhaupt, bestimmt aber die der Psychotherapie letztlich schon bei der Achtung der Sprache an? Warum sich nicht an den besten Schriftstellern und Sprachwissenschaftlern orientieren, und das heißt zur alten Rechtschreibung zurückkehren? Warum nicht Vernunft walten lassen, statt der zunehmenden Funktionalisierung und Technisierung Vorschub zu leisten? . . .
Dr. Wolfgang Giegerich, Kiebitzstraße 5, 82237 Wörthsee
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