ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2006Ärzteprotest: Die falsche Parole
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Die Tatsache, dass beim letzten Protesttag bedeutend weniger Kolleginnen und Kollegen teilgenommen haben, liegt sicher nicht allein darin begründet, dass diesmal der Hausärzteverband sich ausgeklinkt hat. Vielmehr hat die polarisierende Parole „Freiheit statt Sozialismus“ (hinter der ja letztlich das „Eckpunktepapier“ der Freien Verbände und des Hartmannbundes steckt) viele vor den Kopf gestoßen, die mit dem Protest gegen die unsäglichen Pläne der Bundesregierung nicht gleich einen Systemwechsel wollen. „Freiheit statt Sozialismus“ ist einmal analytisch falsch: Die geplanten Maßnahmen sind staatliche Eingriffe zur Rationalisierung und Rationierung des Gesundheitswesens, die sich durchaus im Rahmen der Marktwirtschaft bewegen; mit Sozialismus haben sie sicher nichts zu tun. „Freiheit“ soll wohl für die Leistungserbringer mehr wirtschaftliche Freiheit bedeuten (Kostenerstattung); für die Patienten heißt das, dass sie zusätzliche finanzielle Lasten schultern müssen, wollen sie weiterhin die bisherige Versorgung behalten. Da viele dazu nicht in der Lage sein werden, wird es in der Konsequenz verschiedene Standards geben (Zwei- oder Dreiklassenmedizin). Diese Option ist für uns Ärztinnen und Ärzte, die wir neben den Forderungen nach erträglichen Arbeitsbedingungen und einem angemessenen Einkommen auch die Interessen unserer Patienten im Sinn haben, inakzeptabel . . .
Dr. med. Rainer Kandler, Mittelstraße 44, 53757 Sankt Augustin
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