ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2006RANDNOTIZ: Der Feind im Krankenbett

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RANDNOTIZ: Der Feind im Krankenbett

Hibbeler, Birgit

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LNSLNS Es ist nicht immer schön, alte Bekannte wiederzusehen. Und manchmal triftt einen dieses Schicksal ganz unvorbereitet. Jeder kennt wohl diesen kurzen Augenblick, in dem man darüber nachdenkt, ob es nicht vielleicht möglich ist, so zu tun, als habe man sein Gegenüber übersehen. Doch meist ist es dann schon zu spät.
Als ich neulich meine alte Studienfreundin Kathrin auf der Straße sah, war das ganz anders, denn ich treffe sie gern, sie ist eine interessante Gesprächspartnerin. Schon zu Beginn unseres Medizinstudiums schenkte Kathrin mir das Buch „Patient: Nebensache – Tagebuch eines Kassenarztes“. Ich muss gestehen, dass ich das Buch nie gelesen habe, aber die Botschaft war klar: Kathrin wollte alles besser machen und eine gute Ärztin werden, die sich Zeit für ihre Patienten nimmt, natürlich auch für die Probleme und Nöte, die nichts mit Laborparametern zu tun haben.
Nun – etwa zehn Jahre später – haben sich die Töne etwas geändert. Zwar ist Kathrin nach wie vor davon überzeugt, dass sie den richtigen Beruf gewählt hat, aber vieles hatte sie sich doch anders ausgemalt. Der hohe Anspruch ist einer bitteren Realität gewichen: zu viel zu tun, keine Zeit. „Da wird der Patient echt zum Feind“, sagt sie und scheint sich fast über die Härte ihrer eigenen Worte zu erschrecken. Wenn ihr Kollege nach dem Nachtdienst frei hat,erhöht sich die Zahl der „Feinde“ auf knapp dreißig – in jedem Bett einer. Auf der Station lautet das Motto dann eher Schadensbegrenzung. Bei Kathrin hat das Gesundheitswesen wirklich ganze Arbeit geleistet als hoch effiziente Maschinerie – zur Vernichtung von Idealismus.
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