ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2006Das Gespräch: Klaus Bittmann, NAV-Bundesvorsitzender – Erfolgreiche Interessenvertretung durch Bündelung der Kräfte

POLITIK

Das Gespräch: Klaus Bittmann, NAV-Bundesvorsitzender – Erfolgreiche Interessenvertretung durch Bündelung der Kräfte

Rieser, Sabine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Klaus Bittmann
Klaus Bittmann
Es gibt Menschen, die entscheiden sich für einen Mann, den sie mit anderen teilen müssen – so wie die Delegierten des NAV-Virchow-Bundes. Am 18. November wählten sie Dr. med. Klaus Bittmann (63) zum Bundesvorsitzenden; wohl wissend, dass er weiter als hauptamtlicher Vorstand der Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein und als Vorstandsmitglied im Bundesverband der Ärztegenossenschaften tätig sein wird.
Drei Funktionen auf einmal in unruhigen Zeiten für die Ärzte? „Ich versuche es“, erklärt Bittmann im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt knapp. Er setzt damit etwas um, was er sowieso für zukunftsweisend hält: neue, bisher ungewohnte Allianzen und Kooperationen einzugehen. Ein erster Schritt in diese Richtung war im Mai die Gründung der Allianz Deutscher Ärzteverbände, deren Mitglied der NAV neben Hartmannbund, Medi Deutschland, Berufsverband Deutscher Internisten, Bundesverband der Ärztegenossenschaften und Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände ist. Man arbeite derzeit an einem Konzept zu einer Vertragswerkstatt, berichtet Bittmann. Ein erster Baustein sollen von allen akzeptierte Spielregeln für den Wettbewerb sein; Verträge zulasten Dritter dürften zum Beispiel nicht geschlossen werden.
Ein anderes Projekt ist ein Handbuch mit umfassenden Informationen zum Ausstieg aus der kassenärztlichen Versorgung. Der Bundesverband der Ärztegenossenschaften, Medi Deutschland und die Freie Ärzteschaft wollen es gemeinsam herausgeben. Denn Zulassungsrückgaben müssen gut geplant werden, räumt Bittmann ein: „Ich kann nicht eine Gruppe Ärzte in die Zulassungsrückgabe führen, und dann gibt es kein Geld.“
„Nur durch das Verschicken von Festschriften wecken wir kein Vertrauen; wir müssen glaubwürdig vertreten, dass wir etwas gestalten wollen für die Ärzte.“ Fotos: Georg J. Lopata
„Nur durch das Verschicken von Festschriften wecken wir kein Vertrauen; wir müssen glaubwürdig vertreten, dass wir etwas gestalten wollen für die Ärzte.“ Fotos: Georg J. Lopata
Erfolgreiche ärztliche Interessenvertretung hält er in Zukunft nur für möglich, wenn man Kräfte bündelt. Als Vorbild nennt er die Positionierung des Marburger Bundes als kämpferische Ärztegewerkschaft: „Für die niedergelassenen Ärzte ist es sinnvoll, sich auf einen ähnlichen Weg zu machen.“ Ein großer Verband der Niedergelassenen? „Kein Schreckgespenst“, betont Bittmann. Nur wer überzeugend agiere und Gestaltungswillen erkennen lasse, dem trauten es die Ärzte zu, ihre Interessen im Vertragsgeschäft zu vertreten.
Die integrierte Versorgung sei beispielsweise ein Angebot, „das im Kern der Vernunft folgt und weiter wachsen wird“. Allerdings ohne die KVen, die als Vertragspartner nicht zugelassen sind. Deshalb werden vermehrt Genossenschaften und Verbände ins Vertragsgeschäft einsteigen – „gegen Bezahlung und realistischerweise in kleinen Schritten“, betont Bittmann. Ein Befürworter der Ausgrenzung der KVen ist er bei aller Kritik an ihnen nicht: „Ich möchte, dass sie im Vertragsgeschäft alles können dürfen.“ Aber das werde die Politik wohl kaum ermöglichen, weil sie kein Interesse habe, die KVen zu stärken.
Sabine Rieser
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema