ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2006Reisemedizin: Drei Säulen
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Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) wird in dem Artikel sehr einseitig Werbung für das Centrum für Reisemedizin (CRM) und den Deutschen Fachverband Reisemedizin (DFR) betrieben . . . So wurde das in dem Artikel erwähnte 32 Stunden umfassende Curriculum zur Reisemedizin vor einigen Jahren von der DTG in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin (DGLRM) entwickelt und von der Bundes­ärzte­kammer als Curriculum für die curriculäre Weiterbildung „Reisemedizinische Gesundheitsberatung“ übernommen. Unabhängig davon gibt es in Deutschland die in der Weiter­bildungs­ordnung verankerte Zusatzbezeichnung Tropenmedizin. Der Artikel im DÄ suggeriert, dass sich Tropenmediziner nur mit der Malariaprophylaxe auskennen, und negiert, dass Reisemedizin sowohl in den dreimonatigen Tropenmedizinkursen als auch in der einjährigen Ausbildung in Deutschland (die für die Erlangung der Zusatzbezeichnung vorgeschrieben sind – neben der Tätigkeit in den Tropen) eine wichtige Rolle spielt. Tropenmediziner verstehen daher in der Regel mehr von der Reisemedizin als Teilnehmer an den kommerziellen „Aufbaukursen“ des CRM. Zudem ist gerade in der Reisemedizin eine kontinuierliche Aktualisierung und Weiterbildung von besonderer Bedeutung, da sich die epidemiologische Situation, Gesundheitsvorschriften und Empfehlungen zur Prävention in vielen Gebieten und Ländern oft kurzfristig ändern. Hierzu werden von verschiedenen Fachinstitutionen Refresherkurse und Fortbildungen angeboten. So berechtigt die erfolgreiche Teilnahme an der curriculären Weiterbildung „Reisemedizinische Gesundheitsberatung“ zur Aufnahme in eine Liste „Ärzte mit DTG-Zertifikat Reisemedizin“, die von der DTG geführt und Interessenten (Reisenden, Apotheken, Reisebüros, Veranstaltern etc.) zur Verfügung gestellt wird (www.dtg.org). Der Verbleib in der Liste setzt jedoch eine regelmäßige Weiterbildung im Rahmen einer zertifizierten Refresherveranstaltung mindestens alle drei Jahre voraus, andernfalls wird der Name des Arztes aus der Liste gestrichen. Die DTG vertritt die Meinung, dass die reisemedizinische Versorgung der Bevölkerung in Deutschland auf drei Säulen ruhen sollte:
– Um einen Reisenden zu beraten, der eine Auslandsreise plant, reicht das 32-stündige Curriculum „Reisemedizinische Gesundheitsberatung“ aus; viele Tausend Ärzte haben an diesen Kursen bzw. an den Refresherkursen teilgenommen.
– Für spezielle Fragestellungen und insbesondere für Patienten mit unklaren Krankheitsbildern nach einer Reise sind die niedergelassenen Tropenmediziner die richtigen Ansprechpartner.
– Als Referenzzentren stehen dann schließlich die Tropeninstitute zur Verfügung. Hier sei angemerkt, dass ein großer Teil der reisemedizinischen wissenschaftlichen Publikationen sowie der reisemedizinischen Lehrbücher von Mitarbeitern der deutschen Tropeninstitute verfasst wird.
Für die Verfasser:
Prof. Dr. Gerd Burchard,
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für
Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG),
Sektion Tropenmedizin, Universitätsklinikum
Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52,
20246 Hamburg
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