ArchivDeutsches Ärzteblatt10/1997Klonierung: Hello, Dolly!
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LNSLNS Britischen Wissenschaftlern unter der Leitung von Ian Wilmut ist es gelungen, aus einer Euterzelle eines erwachsenen Schafes der Welt ersten echten Klon eines Säugetieres zu schaffen. Wilmut preist seine Schöpfung als segensreichen Durchbruch für Wissenschaft und Arzneimittelforschung. Kaum war Wilmuts Ankündigung verklungen, da legten Kollegen aus Neuseeland nach und präsentierten gleich drei geklonte Lämmer. Unterdessen mehren sich allenthalben die Stimmen, die von wissenschaftlicher Grenzüberschreitung sprechen. Die Klonierung von Menschen scheint in greifbare Nähe gerückt. "Wir würden dies für ethisch völlig unannehmbar halten und würden es auch nicht tun", beschwichtigt Wilmut. Bun­des­for­schungs­minis­ter Jürgen Rüttgers versichert: "Den geklonten Menschen darf und wird es nicht geben." Karsten Vilmar, Präsident der Bundes­ärzte­kammer, spricht von einem Frevel wider die Natur und die Menschenwürde. Auch die Kirchen sind der Auffassung, daß der Mensch nicht alles darf, was er kann. Aber wann hätte man je gehört, daß der Mensch das, was er kann, nicht auch - früher oder später - tut. Eine internationale Initiative zum Verbot gentechnischer Kopien von Menschen, wie sie die SPD fordert, kann nur scheinbar Grenzen ziehen und Kontrollen schaffen. Das ethische Bewußtsein scheint dem rasanten wissenschaftlichen Fortschritt hinterherzuhinken. Schwierig ist die ethische Grenzziehung allemal. Das Klonieren ist ein neues Problem, ein "altes" Thema ist die Keimbahntherapie. Noch besteht international im großen und ganzen Konsens für ein Verbot. Diskussionen innerhalb der Unesco werfen jedoch die Frage auf, ob diese Grenze nicht "angepaßt" wird, sobald die Gentherapie effektiver und nutzbringender angewendet werden kann, und ob es tatsächlich gelingen kann, Erbkrankheiten sozusagen mit der Wurzel auszurotten.
Vor dem Hintergrund des technisch Machbaren beginnen ehemals steinerne Prinzipien zu bröckeln. Die Diskussion über künstliche Befruchtung, die vor rund zehn Jahren stattfand, hat diesen Mechanismus vorgeführt. Die "Horrorvision" von gestern ist heute Normalität. Mithin verschiebt sich die Bewertung dessen, was ethisch akzeptabel ist. Sobald der Nutzen menschlicher Klone rational begründet und Hoffnungen bei Kranken und (noch) Gesunden geweckt werden können, werden sich die Verfechter der Klonierung Gehör und Akzeptanz verschaffen. Am Anfang war das Schaf . . . Heike Korzilius
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