ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2006Kooperation im ärztlichen Team: Damit das Klima stimmt

BERUF

Kooperation im ärztlichen Team: Damit das Klima stimmt

Dtsch Arztebl 2006; 103(48): [98]

Thill, Klaus-Dieter

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LNSLNS Nur wenn alle Partner „an einem Strang“ ziehen, können Irritationen und Gruppenbildungen vermieden werden.

Sowohl die Arbeit im Krankenhaus als auch in der Arztpraxis ist durch ärztliche Kooperationen gekennzeichnet. Unabhängig davon, ob es sich hierbei um freiwillige Zusammenschlüsse – zum Beispiel in Form von Gemeinschaftspraxen oder Praxisgemeinschaften – oder um durch den einzelnen Arzt wenig beeinflussbare Organisationsformen – zum Beispiel das Ärzteteam einer Station – handelt, funktionieren diese nur dann reibungslos, wenn das „Kooperationsklima“ zwischen den Partnern stimmt. Ist das nicht der Fall, werden nicht nur Arbeitsproduktivität und ­qualität beeinträchtigt, sondern der tägliche Leidensdruck für alle Mitglieder des Teams steigt.
Ein positives Kooperationsklima wird einerseits durch den Kooperationsrahmen in Form der vertraglichen Regelungen bestimmt. Je detaillierter Funktionen und Kompetenzen hierin fixiert sind, desto mehr Probleme der Zusammenarbeit werden schon im Vorfeld ausgeschlossen. Fast noch wichtiger ist jedoch, wie die Kooperation im Arbeitsalltag umgesetzt wird. Hierbei kommt es im Hinblick auf die Gestaltung einer möglichst positiven Kooperationsatmosphäre darauf an, die folgenden Punkte umzusetzen.
Kooperationen funktionieren in der Regel nur dann reibungslos, wenn die Partner sich weitgehend einig sind:
- Die Partner sollten eine möglichst kommunikativ angelegte, kompromissbereite und konsensfähige Grundhaltung besitzen und tolerant und offen sein.
- Ihre Ideen, Ansichten, Erwartungen und Ziele beziehungsweise Zielhorizonte und Prioritäten sollten in der Grundausrichtung kompatibel sein; hierbei ist vor allem ein für alle gemeinsam verbindliches Zielsystem wichtig.
- Ebenso sollte eine Vergleichbarkeit in Bezug auf Motivation, Handlungsinitiative und Risikobereitschaft bestehen.
- Nicht zuletzt ist eine der Grundvoraussetzungen die menschliche Kompatibilität. Als Grundregel gilt jedoch: Freundschaften sind kein Garant dafür, dass geschäftliche Kooperationen auf Dauer gut funktionieren.
Die genannten Aspekte sprechen jedoch nicht dagegen, Kooperationen mit Menschen mit heterogenen Persönlichkeits- und Fähigkeitsmerkmalen zu bilden, da unterschiedliche Talente und Ansichten immer synergistisch wirken.
Die Erfahrung lehrt, dass Kooperationen im Alltag häufiger an Problemen in der gemeinsamen Arbeit als an Unterschieden in Zielen und Erwartungen scheitern. Dem kann durch folgende Verhaltensweisen entgegengewirkt werden:
- Eindeutige Absprachen treffen und zuverlässig einhalten.
- Fair und loyal miteinander umgehen.
- Stets den geforderten Arbeitseinsatz und die vereinbarte Arbeitsqualität zeigen; ist das einmal nicht möglich, dies rechtzeitig kundtun.
- Für die Partner und Kollegen vorwurfsfrei im Sinne der Gesamtleistung mitdenken.
Nur wenn alle Partner „an einem Strang“ ziehen, werden Irritationen und Gruppenbildungen innerhalb eines Teams vermieden, die zu Einbußen bei der Arbeitsproduktivität führen können. Die wichtigste Einflussgröße des Kooperationsklimas ist Vertrauen, das wie folgt aufgebaut und gefördert werden kann:
- Auch bei unangenehmen Dingen ansprechbar sein, nicht „mauern“, bei Fehlern der anderen diese ansprechen und nach Lösungen suchen, eigene Fehler eingestehen.
- Neuem aufgeschlossen gegenüberstehen.
- Diskretion und Ehrlichkeit als Handlungsprinzipien verfolgen.
- Offen und sachlich, aber nicht verletzend seine Meinung äußern.
- Zuhören können und Fehler eingestehen, sich entschuldigen.
- Eine klare Linie im Verhalten zeigen und „berechenbar“ sein.
- Einander regelmäßig Feedback zu allen arbeitsbezogenen Aspekten und Sachthemen und zum empfundenen Kooperationsklima geben.
Die Arbeit in einer Kooperation ist umso erfolgreicher, je intensiver der Informationsaustausch zwischen den Partnern stattfindet. Information darf in Kooperationen kein Machtfaktor, sondern muss Allgemeingut sein. Das wird durch folgende Verhaltensweisen erreicht:
- Einrichten von Kommunikationsfluss-Standards: Wer – Was – Mit wem – Wann – Wie?
- Durchführung regelmäßiger Informationstreffen („Jour fixe“) mit Themenliste und Protokoll.
- Durchführung regelmäßiger Besprechungen der Partner.
- Praktizieren einer förderlichen Gesprächskultur mit folgenden Kennzeichen: Ergebnisorientierung (keine Gespräche ohne Resultat), partnerschaftliche Dialogführung (jeder kommt gleichwertig zu Wort), aktives Zuhören, Eingehen auf den Gesprächspartner. n
Klaus-Dieter Thill
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