ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2006Psychotherapeuten zur Gesundheitsreform: Sachargumente sollen Veränderungen bewirken

POLITIK

Psychotherapeuten zur Gesundheitsreform: Sachargumente sollen Veränderungen bewirken

Gerst, Thomas

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LNSLNS Ein Thema des 9. Deutschen Psychotherapeutentags (DPT) war der Entwurf zum GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz.

Der 9. DPT stellt mit großer Sorge fest, dass mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) die Einnahmeprobleme der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung nicht gelöst werden. Gleichzeitig werden so viele Strukturveränderungen geplant, dass in der Summe fraglich ist, ob sie dem angestrebten Ziel ,Qualität und Wirtschaftlichkeit‘ dienlich sind.“ So heißt es in einer Resolution, die der Psychotherapeutentag am 18. November in Köln beschloss. Und weiter: Die Abschaffung der Finanzautonomie der Krankenkassen berge die Gefahr, dass die GKV-Finanzlage zunehmend von politischen Entscheidungen abhängt. Ein Blick über die Grenzen zeige, dass politische Einflussnahme letztlich in Unterfinanzierung münde.
Realistisch schätzten die DPT-Teilnehmer die Chancen ein, die Umsetzung des Gesetzentwurfs insgesamt noch verhindern zu können. Man könne davon ausgehen, dass das Gesetz am 1. April 2007 in Kraft treten werde. Wer bis dahin noch Änderungen herbeiführen wolle, könne mit sachlicher Argumentation sicherlich mehr bewirken als mit Polemik, betonte der Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK), Prof. Dr. Rainer Richter. „Wir müssen uns unterscheiden von solchen Äußerungen der Ärzte.“ Gleichzeitig kritisierte Richter Bestrebungen bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, die BPtK aus der gesundheitspolitischen Diskussion heraushalten und wieder wie früher an den Katzentisch verbannen zu wollen. Dies sei „ein merkwürdiges Verhalten, wenn man bedenkt, dass zehn Prozent der Delegierten in der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sind“.
Gerade das Gesetzgebungsverfahren zur Gesundheitsreform zeige, wie wichtig eine einheitlich agierende Vertretung der eigenen Profession auf Bundesebene sei – so die BPtK-Vizepräsidentin Monika Konitzer. „Wer, wenn nicht wir, setzt sich bei den Beratungen zur Gesundheitsreform für die Belange psychisch Kranker ein?“, fragte sie. Dr. Christina Tophoven, Geschäftsführerin der BPtK, verwies auf die Möglichkeiten, im laufenden Gesetzgebungsverfahren noch Änderungen im Interesse psychisch kranker Menschen und der Profession zu bewirken. Sie merkte an, dass die BPtK und die Länderkammern ihre Bedenken bereits in einigen Punkten den Landesregierungen erfolgreich hätten vermitteln können. Vorstellbar seien noch Neuregelungen bei der Beratung im Bundesrat.
Tophoven prognostizierte einen stärker werdenden Trend zum Selektivvertragssystem nach Inkrafttreten der Gesundheitsreform. Die wettbewerbliche Umgestaltung des Systems werde weiter vorangetrieben. Beim Wettbewerb um gute Risiken würden die Krankenkassen die psychisch Kranken „meiden wie die Pest“. Programmiert sei der Konflikt mit den im Kollektivvertragssystem verbliebenen Ärzten. Mit Blick auf die vorgesehene Vergütung pro Zeiteinheit befürchtet Tophoven eine finanzielle Schieflage für die Psychologischen Psychotherapeuten, vergleichbar mit der vor dem Bundessozialgerichtsurteil zu festen Punktwerten für psychotherapeutische Leistungen. Thomas Gerst
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