ArchivDeutsches Ärzteblatt8/1996Corticosteroide: Bei Morbus Crohn oft falsch eingesetzt

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Corticosteroide: Bei Morbus Crohn oft falsch eingesetzt

EB

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LNSLNS Einen sicheren Umgang mit Corticosteroiden in der Hausarztpraxis mahnten die Experten beim Gespräch "Corticosteroide in der Gastroenterologie" in Berlin an. "Häufig wird nur mit der Hälfte der benötigten Corticoid-Dosis begonnen und diese dann auch noch zu rasch reduziert", gab Prof. Herbert Lochs (Charité) zu bedenken. Solche Patienten würden dann oft als vermeintlich therapieresistent in die Klinik geschickt. Der akute Schub beim Morbus Crohn sollte vielmehr in ausreichend hoher Dosierung mit Prednison oder Prednisolon behandelt werden. Dabei habe sich nach wie vor das Dosierungsschema von Professor Helmut Malchow aus Leverkusen bewährt, das sich an die Dosierung der europäischen Morbus-Crohn-Studie anlehnt (siehe Tabelle).
Malchow warnte davor, zu schnell die Diagnose eines akuten Entzündungsschubs zu stellen und das Schema voreilig anzuwenden. "Vor Beginn der Behandlung muß sicher ausgeschlossen werden, daß der Patient Fisteln hat. Nur ein sehr gut durchgeführtes Sonogramm oder ein CT bringen hier Klärung", betonte Lochs. Sollten sich die Beschwerden unter Anwendung des Schemas nicht bessern, müsse die Indikation erneut überprüft werden. Der Endokrinologe Dr. Jan Rotenberger (Wuppertal) empfahl, bei der Auswahl eines Glucocorticoids auf dessen Praktikabilität wie zum Beispiel die für den Patienten resultierende Anzahl von Tabletten und deren Kosten zu achten. Er betonte, daß es zwischen den synthetischen Glucocorticoiden pharmakologisch keine Wirkungsunterschiede gäbe, da diese Wirkstoffe alle an den gleichen Rezeptor binden, der sich im Zytosol der Zielzellen befindet. Pharmakokinetisch entscheidend sei die biologische Halbwertszeit. Insgesamt könne er in dieser Stoffgruppe keinen Vorteil eines bestimmten Glucocorticoids feststellen, so daß Preisunterschiede um das 3,5fache nicht zu vertreten seien. Die Äquivalenztabellen seien als grober Anhalt für die Dosisabschätzung geeignet und dienten der Vergleichbarkeit verschiedener Behandlungskonzepte.
Unerwünschte Wirkungen treten bei korrekter Indikation und Dosierung in geringerem Ausmaß auf, als häufig befürchtet wird. Lochs erläuterte, daß zum Beispiel die Beschleunigung der ohnehin katabolen Stoffwechselsituation dieser Patienten in wesentlich geringerem Maße auftritt, als erwartet wird. Untersuchungen zeigten, daß es zu keiner signifikanten Energiekatabolie unter Corticosteroiden kam. EB
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