ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2006Medizinische Rehabilitation: Reha-Kliniken in der Kostenfalle

POLITIK

Medizinische Rehabilitation: Reha-Kliniken in der Kostenfalle

Dtsch Arztebl 2006; 103(49): A-3309 / B-2884 / C-2764

Hibbeler, Birgit

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LNSLNS Mehrwertsteuererhöhung, Arbeitszeitgesetz, steigende Energiekosten: Die Reha-Kliniken können die Mehrbelastungen nicht schultern, meinen Rehabilitationsverbände.

Unter dem Motto „Kliniken in Not“ protestieren die Krankenhäuser zurzeit gegen den geplanten „Sanierungsbeitrag“ in Höhe von 500 Millionen Euro. Von dieser Zwangsabgabe sind die Rehabilitationskliniken zwar nicht betroffen, dennoch befürchten sie, die für 2007 erwarteten Kostensteigerungen nicht schultern zu können. Dazu zählen die Mehrwertsteuererhöhung und steigende Personalausgaben durch das Arbeitszeitgesetz.
Viele Rehabilitationseinrichtungen sehen sich an der Grenze der Belastbarkeit. Die Branche ist angeschlagen. Die Zahl der Leistungen zulasten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) – des größten Kostenträgers im Rehabilitationsbereich – sind seit Jahren rückläufig. Zudem haben sich Rahmenbedingungen verändert: Die Einführung der diagnosebezogenen Fallpauschalen hat dazu geführt, dass Leistungen aus dem Akutsektor in den Reha-Bereich verlagert worden sind. Die Vergütung ist aus Sicht der Reha-Anbieter aber nicht den neuen Anforderungen angepasst worden.
„Wir verzeichnen seit Jahren eine zunehmende Diskrepanz zwischen Kostensteigerungen und einer vergleichsweise marginalen Vergütungssatzanpassung“, kritisiert Thomas Bublitz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken (BDPK). Seit Mitte der Neunzigerjahre habe es keine angemessene Preisanpassung mehr gegeben – eine Entwicklung, die er bei den Krankenkassen noch stärker beobachte als bei der DRV.
„Das Ganze gipfelt jetzt in der Situation, dass noch weitere Faktoren wie die Mehrwertsteuererhöhung, steigende Energiekosten, Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes und Tarifabschlüsse hinzukommen, die wir nicht beeinflussen können“, moniert er. Was Sparmaßnahmen angehe, so haben Bublitz zufolge die Einrichtungen bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Er befürchtet, es könne in den Kliniken zu einem Personalabbau kommen – als letzte Option, Kosten zu reduzieren.
Die Spitzenverbände der Leistungserbringer in der medizinischen Rehabilitation – der BDPK, die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation, der Bundesverband für stationäre Suchtkrankenhilfe und der Fachverband Sucht – haben daher eine Studie in Auftrag gegeben, um die Kostensteigerungen, die auf die Einrichtungen zukommen, konkret zu benennen. Erstellt hat dieses Gutachten die Gesellschaft für betriebswirtschaftliche Beratung mbh (GEBERA) aus Düsseldorf.
„Es geht uns darum zu objektivieren, worauf sich unsere Forderungen stützen“, erklärt Bublitz. Die GEBERA-Prognose besagt, dass die Rehabilitationseinrichtungen künftig in allen wichtigen Bereichen mit höheren Ausgaben rechnen müssen. Für das Jahr 2007 empfehlen die Autoren eine Vergütungssatzsteigerung von durchschnittlich 4,1 Prozent. Die Gutachter kommen zu dem Schluss, es solle das Ziel der Rehabilitationsträger sein, die „in Teilen erforderliche Marktbereinigung mithilfe eines fairen Wettbewerbs unter den Einrichtungen zu erreichen“.
Die DRV Bund prüft zurzeit das Gutachten und will zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellungnahme abgeben. Bublitz zufolge sollen noch vor Weihnachten Gespräche aufgenommen werden. Die Spitzenverbände der Krankenkassen haben das Gutachten ebenfalls erhalten. Nach Angaben des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen können die Kliniken die Studienergebnisse in den jeweiligen Verhandlungen zu den Vergütungssätzen vortragen.
Dr. med. Birgit Hibbeler


Das GEBERA-Gutachten im Internet: www.aerzteblatt.de/plus4906
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