ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2006Bundeswehr: Nach dem Einsatz zur Kur
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Der Artikel hat mir sehr gut gefallen. Da die Einsätze der Bundeswehr im Ausland in den letzten Jahren zur Routine geworden sind, vermisst man ein wenig die regelmäßige Berichterstattung in den Medien. Umso mehr freut es die Betroffenen, wenn ein informativer Artikel erscheint, der die Problematik ohne jeglichen „Sensationshunger“ beleuchtet. Eine kleine Anmerkung sei mir jedoch gestattet: Der Artikel erweckt den Eindruck, dass erst nach der Rückkehrerbefragung des einzelnen Soldaten durch den Truppenarzt und nur bei hierbei eventuell festgestellten Auffälligkeiten der Besuch eines Einsatznachbereitungsseminars vorgesehen ist. Dies ist nicht korrekt. Stattdessen wird folgendermaßen verfahren: Es ist vorgesehen, dass jeder Soldat, unabhängig davon, ob er psychische Auffälligkeiten im Sinne einer PTBS zeigt oder nicht, ein Einsatznachbereitungsseminar besucht. Diese finden nach Abschluss eines Auslandskontingents statt, sodass der Soldat dort viele bekannte Gesichter aus dem Einsatz wiedertrifft, in deren Runde ein offenes Gespräch leichter fällt. Acht bis zwölf Wochen nach dem Einsatzende findet zudem eine sogenannte „Rückkehreruntersuchung“ durch den Truppenarzt statt, welche aus der im Artikel angesprochenen Befragung und zusätzlich einer körperlichen Untersuchung sowie Blut-, Urin- und Stuhluntersuchung besteht. Neben psychischen Problemen sind nämlich durchaus auch potenziell asymptomatische Infektionserkrankungen (z. B. Malaria, Leishmaniase, Salmonellen/Shigellen, Wurmerkrankungen oder Flagellaten wie Giardia lamblia) ein ernst zu nehmendes Problem, welches im Rahmen der Rückkehreruntersuchung erkannt und therapiert werden soll. Wird bei dem Einsatznachbereitungsseminar und/oder bei der Rückkehreruntersuchung ein auffälliger Befund im Sinne einer PTBS erhoben, so erfolgt in der Regel eine Überweisung des betroffenen Patienten an einen Facharzt für Psychiatrie der Bundeswehr, der eine entsprechende Therapie, meist eine Psychotherapie, einleitet. Stellen sich weiterhin Soldaten mit hoher Einsatzbelastung beim Truppenarzt vor, ohne dass Symptome für eine PTBS bestehen, so gibt es für diese Patienten die Möglichkeit, eine für diese Indikation ins Leben gerufene dreiwöchige Kurmaßnahme in Anspruch zu nehmen. Diese wird – nach dem ehemaligen Staatssekretär im Verteidigungsministerium, der diese Maßnahme angeregt und durchgesetzt hat – umgangssprachlich auch „Kolbow-Kur“ genannt.
Dr. med. Henning von Perbandt,
Oberstabsarzt der Bundeswehr, Haydnstraße 13, 72474 Winterlingen
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige