ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2006Krankenhäuser: Rechenbeispiel
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Es ist nicht zu fassen! Dass ich nun selbst im DÄ lesen muss, dass es „deutliche Gehaltssteigerungen“ für Ärzte gegeben habe, die jetzt dazu führen, dass bisher ärztliche Tätigkeiten auf den Prüfstand gehoben werden sollen, hinterlässt bei mir eine mittelschwere Karotis-Zerrung. Schlimm genug, dass die Lüge von den Gehaltssteigerungen in der öffentlichen Presse nicht totzukriegen ist. Ist denn wirklich – frei nach V. Pispers – das einzig noch Kritische am Journalismus in diesem Land sein Geisteszustand? Also noch mal – für alle und zum Mitschreiben: Gehaltssteigerungen ergeben sich nach dem neuen Tarifabschluss (an kommunalen Kliniken) im Vergleich zum BAT im Jahr 2005 (und nach TVöD-Überleitungstarif bis 31. Juli 2006) lediglich für den typischen 32-jährigen, kinderlosen leitenden Oberarzt. Die in Ihrem Artikel angeführten Aufgaben jedoch, bei denen überdacht werden müsse, ob sie auch in Zukunft noch von „gut bezahlten“ Ärzten erledigt werden müssten (Viggos legen, Blut abnehmen, Untersuchungstermine organisieren, Diagnosen verschlüsseln), werden doch wohl ausschließlich von Assistenzärzten erledigt. Ein Assistenzarzt, der bereits vor dem 1. Oktober 2005 an einem kommunalen Haus beschäftigt war, hat aber in jedem Fall Gehaltseinbußen, wenn man berücksichtigt, dass das Weihnachts- und Urlaubsgeld bereits in die monatlichen Grundgehälter eingerechnet ist, also nicht mehr zusätzlich gezahlt wird . . . In meinem persönlichen Fall erhalte ich nach neuem Tarifvertrag ab jetzt aufs Jahr gerechnet 1,74 Prozent mehr Gehalt als 2005 (inkl. Weihnachts- und Urlaubsgeld), muss jedoch dafür 3,9 Prozent (40 Stunden/Woche statt bisher 38,5) mehr arbeiten. Meine Arbeit wird also auf den Stundenlohn gerechnet billiger. Auf 38,5 Stunden/Woche heruntergerechnet, ergibt sich bei mir ein Minus von mehr als zwei Prozent, entsprechend gut 1 000 Euro/Jahr. Kinderbezogene Ortszuschläge, wie ich sie nach BAT noch erhalten hätte, sind bei zukünftigen Kindern nicht mehr vorgesehen, sparen dem Arbeitgeber also zusätzliches Geld. Ähnliche Rechenbeispiele lassen sich für den Tarifabschluss TdL aufstellen. Gehaltssteigerungen ergeben sich also lediglich im Vergleich zu den von Verwaltungsseite erhofften, im TVöD vorgesehenen drastischen Gehaltskürzungen, die durch den neuen Tarifvertrag nun allenfalls teilweise abgewendet werden konnten . . . Sicherlich wird es auch ohne Gehaltssteigerungen für Ärzte Personal geben, das weniger verdient und so den Verwaltungen zusätzliche willkommene Einsparmöglichkeiten bietet. Mit Gehaltserhöhungen für Ärzte kann es jedenfalls nicht zusammenhängen, da diese schlichtweg für den Großteil der Ärzte nicht existieren . . .
Dr. med. Cyrus Pachutani, Am Zuckerberg 3,
50668 Köln
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