ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2006Multiple Sklerose: Mehr Mut für Patienten

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Multiple Sklerose: Mehr Mut für Patienten

Dtsch Arztebl 2006; 103(49): A-3330 / B-2900 / C-2781

Zipper, Viktoria Elisa

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Dreidimensionale Animationssequenzen lassen sich bei bestimmten Szenen des Films als medizinische Zusatzinformationen abrufen.
Dreidimensionale Animationssequenzen lassen sich bei bestimmten Szenen des Films als medizinische Zusatzinformationen abrufen.
Die Spielfilm-DVD „Nina – Ein Leben mit MS“ verbindet emotionales Verständnis mit wissenschaftlichen 3-D-Animationen. Das in Berlin vorgestellte Projekt begeisterte Ärzte und Betroffene.

Der Befund ist da, Diagnose: multiple Sklerose (MS). Sowohl für Patienten als auch für Ärzte ist das eine schlechte Nachricht, mit der beide jedoch umgehen müssen. Besonders bei jungen Betroffenen ist der Schock groß. Wie geht es jetzt weiter? Viele Patienten denken, wenn sie von ihrer Erkrankung erfahren, nun sei das Leben vorbei. „Morgen sitzst Du im Rollstuhl, und übermorgen bist Du tot“, so beschreibt Barbara Vißer (41), seit zwölf Jahren MS-Patientin, ihre ersten Gedanken nach der Diagnose. Dass ein erfülltes Leben auch mit der Krankheit MS möglich ist, versucht „Nina – Ein Leben mit MS“, das neue Filmprojekt der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft Bundesverband (DMSG), zu verdeutlichen. Der halbstündige Spielfilm begleitet die junge Nina, gespielt von Anna Eger, die unerwartet mit der Diagnose MS konfrontiert wird. Sie muss sich mit der Krankheit arrangieren, und das sollen auch die Patienten versuchen. Deshalb wird „Nina – Ein Leben mit MS“ in Zukunft in Krankheitsbewältigungsprogramme einiger Kliniken integriert werden.
Verständnis und Öffentlichkeit schaffen
Nach der Diagnose brauche man Verständnis, vor allem von Freunden und Familie, beschreiben viele Betroffene die ersten Schritte auf dem Weg zur eigenen Akzeptanz der Krankheit. Dorothea Pitschnau-Michel, Geschäftsführerin der DMSG, betont: „Die Symptome und Probleme von MS-Erkrankten müssen noch viel mehr in die Öffentlichkeit getragen werden, um auf diese Weise auch den Erkrankten die Möglichkeit zu geben, in ihrer Lebenswelt Verständnis zu bekommen.“ Das versucht der Spielfilm, indem er auch medizinische, interaktive 3-D-Animationssequenzen zeigt. Diese können während des Films bei bestimmten Szenen nach dem Klicken auf einen Button abgerufen werden. Die Idee dazu hatte Adam Michel, Geschäftsführer des DMSG-Landesverbandes in Baden-Württemberg. Er nennt diese Art der Aufklärung „emotional science“. Das Projekt sei etwas Neuartiges, weil die Vermittlung von sinnvollem Wissen mit emotionalem Erleben und Verstehen verbunden werde.
Nach Meinung von Ärzten und Betroffenen ließe sich „emotional science“ auch bei anderen Krankheiten nutzen. „Es fallen mir auf Anhieb weitere Erkrankungen ein, wie zum Beispiel Parkinson, für die es ein hervorragendes Medium wäre“, sagt der Neurologe Prof. Dr. Horst Wiethöller. Generell scheint das Konzept „Nina“ sowohl bei MS-Patienten als auch bei den behandelnden Ärzten sehr gut angenommen zu werden. Der Spielfilm sei „lebensnah“ und nicht „so kompliziert und trocken“, wie es Dokumentationen und medizinische Vorträge oft seien, erklärt MS-Patientin Vißer, die den Film während ihrer Reha sah. Viele Neuerkrankte könnten sich in der Hauptperson wiederfinden. Dazu trage unter anderem „der etwas raue Neurologe“ bei, gespielt von Hendrik Martz, da er authentisch den Arzt verkörpere, dem viele Patienten begegneten, sagt sie. Auch das romantische Ende wurde von den meisten als Mut machend, beruhigend und optimistisch stimmend empfunden. Denn in der letzten Szene erfahren die Zuschauer, dass Nina ihre Krankheit akzeptiert hat. Sie ist nun in der Lage, sich einen neuen Job zu suchen und eine Beziehung zu ihrem ehemaligen Chef einzugehen. Das kritisierten einige Erkrankte jedoch als „ein bisschen zu weich gespült“.
Zusatzinformationen
Das Projekt soll aber nicht nur die Betroffenen, sondern auch deren Angehörige und Freunde informieren. Sowohl Ärzte als auch Patienten sind der Meinung, dass dieser Film dabei helfen kann, sich den Mitmenschen gegenüber verständlich zu machen und ihnen die Angst zu nehmen. „Extrem hilfreich“ seien dabei die Zusatzinformationen in Form von Interviews und 3-D-Animationen, die die Symptome und die immunologischen Vorgänge veranschaulichten, befand Priv.-Doz. Dr. Peter Flachenecker, Chefarzt eines Rehabilitationszentrums.
Die DVD mit der dazugehörigen CD-ROM ist kostenfrei im Internet bestellbar. Weitere Informationen unter www.emotional-science.de.
Viktoria Elisa Zipper
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