MEDIZIN: Übersicht

Verbotene Arzneimittel im Sport

Hinweise zur Betreuung von Sportlern

Prohibited Drugs in Sport: Current Recommendations for the Medical Treatment of Athletes

Dtsch Arztebl 2006; 103(49): A-3340 / B-2907 / C-2788

Clasing, Dirk; Löllgen, Herbert

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Zusammenfassung
Einleitung: Die Bekämpfung von Doping und Leistungsmanipulation ist zentrale Aufgabe der Sportverbände, insbesondere der World Anti-Doping Agency (WADA). In Deutschland ist die Stiftung „Nationale Anti Doping Agentur“ (NADA) die wichtigste Institution für Dopingfragen. Methoden: Die Übersicht basiert auf der Analyse ausgewählter Literatur und Dopinglisten sowie der klinischen und wissenschaftlichen Erfahrung der Autoren. Ergebnisse: Seit 2004 unterliegen alle Sportler dem so genannten Welt-Anti-Doping-Code (WADA-Code). Im selben Jahr wurde zudem die verbindlich geltende WADA-Liste verbotener Wirkstoffe und Methoden erstmals publiziert, sie gilt als internationaler Standard. Zur Behandlung chronischer Erkrankungen mit ansonsten verbotenen Wirkstoffen und Methoden muss eine medizinische Ausnahmegenehmigung beantragt werden. Diskussion: Die Kenntnis des WADA-Codes ist in der medizinischen Betreuung im Leistungs- und Hochleistungsbereich, aber auch bei Jugend- und Seniorensportlern unabdingbar. Die Kenntnis der „WADA-Liste“ und der Möglichkeit der medizinischen Ausnahmegenehmigung sind die Voraussetzung für eine Beratung und Behandlung, um den Sportler und seinen Arzt vor den negativen Folgen des Dopings wie Sperren und Strafen zu schützen.
Dtsch Arztebl 2006; 103(49): A 3340–4.
Schlüsselwörter: Doping, Welt-Anti-Doping-Code, WADA, verbotene Wirkstoffe, medizinische Ausnahmegenehmigung

Summary
Prohibited drugs in sport: current advice on the medical treatment of athletes
Introduction: The control of doping and performance manipulation is the central task of international sporting organizations, in particular the World Anti Doping-Agency (WADA). In Germany, the foundation "Nationale Anti Doping-Agentur" (NADA) is the leading institution for doping related issues. Methods: This review is based on the analysis of selected literature and doping lists as well as the clinical and scientific experience of the authors. Results: Since 2004, all sportsmen and women have been subject to the World Anti Doping Code (WADA-Code). In the same year, the compulsory WADA list of banned substances and methods which is an international standard. Where treatment of chronic illness requires treatment with an otherwise banned substance, a certificate of medical exemption must be obtained. Discussion: Knowledge of the WADA World Anti Doping Code and related rules is essential for satisfactory medical treatment of high ranking athletes, as well as for the treatment of younger athletes. Familiarity with the list of prohibited substances and the principles of the standard for therapeutic use exemptions is mandatory for every physician, if suspensions or sanctions for the athlete are
to be avoided. Dtsch Arztebl 2006; 103(49): A 3340-4.
Key words: doping, World Anti Doping Code, WADA, prohibited list, therapeutic use exemption


Doping gefährdet die Grundlagen des organisierten Sports. Aktuelle Ereignisse bestätigen dies nachhaltig. Doping – das heißt, die Anwendung verbotener Medikamente und Methoden – widerspricht der Chancengleichheit und schadet der Gesundheit. Die Bekämpfung und Ächtung von Doping und Leistungsmanipulation sind daher zentrale Aufgaben der Sportverbände, insbesondere der World Anti-Doping Agency (WADA). Die WADA wurde 1999 gegründet. Alle Sporttreibenden unterliegen dem so genannten WADA-Code (Kasten 1). Die Sportler im Leistungs- und Hochleistungsbereich unterliegen Kontrollen vor und nach Wettkämpfen sowie außerhalb von Wettkämpfen sogenannten Trainingskontrollen.
In Deutschland ist seit 2002 die Stiftung „Nationale Anti Doping Agentur“ (NADA) als wichtigste Institution für Dopingfragen zuständig. (1, 2, 9). Jeder praktisch tätige Arzt kann mit Doping konfrontiert werden und ist verpflichtet, sich über diese Problematik zu informieren.
Dieser Beitrag basiert auf der Auswertung aktueller Übersichtsarbeiten (1, 3, 4) und Dopinglisten sowie der klinischen und wissenschaftlichen Erfahrung der Autoren.
Rechtliche Aspekte
In der Neufassung des Arzneimittelgesetzes (AMG) vom 11. September 1998 wird Doping als Straftatbestand genannt. Es ist verboten, Arzneimittel zu Dopingzwecken im Sport in den Verkehr zu bringen, zu verschreiben oder bei anderen anzuwenden (§ 6a). Dies gilt für Ärzte aller Fachrichtungen. Im Einzelfall kann ein Verstoß gegen dieses Gesetz bis zum Entzug der Approbation führen.
Verbotsliste von Wirkstoffen und Methoden
Die WADA hat ihre Verbotsliste 2004 erstmalig veröffentlicht, sie wird jährlich aktualisiert. Die Verbotsliste als internationaler Standard liegt für 2007 mittlerweile vor (www.wada-ama.org und www. nada-bonn.de). Zur Aufnahme in das Verzeichnis (Kasten 2) muss ein Wirkstoff oder eine Methode zwei der folgenden drei Kriterien erfüllen:
- Die sportliche Leistung kann gesteigert werden.
- Es besteht ein gesundheitliches Risiko.
- Es liegt ein Verstoß gegen die Fairness-Regeln im Sport vor.
Ende der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre standen die Amphetamine und ähnliche Wirkstoffe – heute als „klassische Dopingmittel“ bezeichnet – in der Diskussion. Inzwischen dreht sich das Geschehen um die hormonelle Unterstützung mit anabolen Wirkstoffen und Wachstumshormonen, aber auch um das Blutdoping. Erythropoietin (EPO) und Gendoping sind hier die Schlagworte (1, 6). Beim Gendoping oder Zelldoping werden Gene, genetische Elemente und/oder Zellen, die die sportliche Leistungsfähigkeit steigern können, ohne medizinische Begründung angewendet. Um einem künftigen Missbrauch entgegenzuwirken, arbeitet man bereits an der Entwicklung möglicher Nachweismethoden für Gendoping. Die gentechnisch hergestellten Wirkstoffe wie Insulin, Wachstumshormon und EPO fallen nicht unter Gendoping.
Anabole Wirkstoffe
Anabole Steroide fördern die Neubildung von Eiweiß, die Bildung der Erythrozyten und des Hämoglobins sowie die Knochenreifung. Als Gründe für eine Leistungsverbesserung werden eine erhöhte Aggressivität und
eine verbesserte Motivation beim Training, ein antikataboler Effekt und die günstigere Eiweißnutzung (Eiweißbereitstellung) diskutiert. Anabole Wirkstoffe setzt man gezielt in bestimmten Phasen des Muskeltrainings ein, vornehmlich zur Verbesserung der Kraft und der Schnelligkeit. Eine exakte Angabe zur Leistungssteigerung ist nicht möglich, weil ein Placeboeffekt mitspielt und präzise Messungen – etwa Doppelblindstudien – aus ethischen Gründen nicht zulässig sind. Eine nachweisbare Wirkung liegt aber vor. Als Beispiel kann das Kugelstoßen bei Männern wie bei Frauen dienen. Zu Beginn der Anabolika-Ära in den 1960er-Jahren kam es zu deutlichen Leistungsverbesserungen um circa 10 bis 15 Prozent. Nach Einführung der Trainingskontrollen, bei denen vornehmlich nach Anabolika gefahndet wird, ist bei Männern wie bei Frauen eine Weite von über 20 m eine Spitzenleistung. Die Weltrekorde liegen noch immer bei 23,12 m (1990) beziehungsweise 22,63 m (1987).
Die möglichen Nebenwirkungen der Anabolika sind abhängig von den Wirkstoffen sowie Dauer und Höhe der Dosierung. Sie umfassen:
- den Abfall des HDL-Cholesterins
- die Abnahme des Hodenvolumens
- eine Reduktion der Spermatogenese bis zur
Unfruchtbarkeit
- Gynäkomastie
- Rhabdomyolyse
- Leberzellveränderungen
- Steroidakne
- psychische Störungen und
- einen vorzeitigen Verschluss der Wachstumsfugen bei Heranwachsenden.
Genaue Angaben zu Nebenwirkungen sind wegen der hohen Dunkelziffer nicht möglich.
Ein Myokardinfarkt und der plötzliche Herztod sind späte kardiovaskuläre Ereignisse bei Sportlern, die hohe Dosen von Anabolika über längere Zeit genommen haben. Virilisierungserscheinungen mit Veränderung der Stimmlage und Bartwuchs sind bei Frauen zu erwarten (7). Bei einem „muskelbesetzten“ Patienten deuten Steroidakne, ein niedriges HDL-Cholesterin und ein möglicherweise unerfüllter Kinderwunsch auf Anabolikamissbrauch hin.
Diuretika und andere Maskierungsmittel
Alle Diuretika, Epitestosteron, Probenecid, Alpha-Reduktase-Inhibitoren wie zum Beispiel Finasterid, Dutasterid, sowie Plasmaexpander wie etwa Albumin, Dextran, Hydroxylstärke, sind für alle Sportarten verboten.
In den gewichtsbezogenen Sportarten wie Gewichtheben, Ringen, Judo und Boxen werden Diuretika zur Gewichtsreduktion eingesetzt. Bodybuilder verwenden sie zur Wasserausschwemmung, um so eine bessere Darstellung des Muskelreliefs zu erreichen. Diuretika sind untersagt, weil sie durch Verringerung der Urinkonzentration die analytischen Nachweismöglichkeiten erschweren und damit die Dopingkontrolle beeinflussen.
Substanzen zur Verbesserung der Sauerstoffversorgung
Die Ausdauerleistungsfähigkeit hängt vom Sauerstoffaufnahmevermögen ab. Dabei spielen das maximale Herzzeitvolumen sowie die Sauerstofftransportkapazität des Blutes die entscheidende Rolle. Durch Höhentraining können Ausdauersportler ihre Leistungsfähigkeit für Flachlandbedingungen verbessern. Mit den verbotenen Methoden des Blutdopings – einschließlich autologer, homologer und heterologer Bluttransfusionen – der Gabe von Produkten aus Erythrozyten, dem Einsatz von Produkten wie Perfluorocarbonsäure, Efaproxiral (RSR13) und insbesondere der Verabreichung von EPO und analogen Wirkstoffen versucht man ebenfalls die Ausdauerleistungsfähigkeit zu steigern.
Deutliche Hinweise auf EPO-Missbrauch gibt es im Radsport bei der Verbesserung des Stundenweltrekordes und in der Leichtathletik bei der Weltrekordentwicklung über 10 000 m. Um dem EPO-Missbrauch vorzubeugen führen internationale Fachverbände bei Ausdauersportlern Vorwettkampfkontrollen durch. Dabei liegen für Männer die – willkürlich gewählten – kritischen Grenzen für Hb-Werte bei > 17 beziehungsweise 17,5 g/dL und für Frauen bei > 16 g/dL. Für die Hämatokrit-Werte betragen die Grenzwerte > 50 Prozent bei Männern und > 47 Prozent bei Frauen. Der kritische Wert für Retikulozyten ist > 2,0.
Das Risiko der EPO-Einnahme eines gesunden Sportlers beruht auf der erhöhten Blutviskosität. Diese kann in Kombination mit der trainingsbedingten Bradykardie und Hypotonie eine Thrombose oder Thrombembolie begünstigen (1, 7).
Chemische und physikalische Manipulation
Es ist nicht zulässig, die bei Dopingkontrollen genommenen Proben in ihrer Integrität und Validität zu verändern oder einen entsprechenden Versuch zu unternehmen. Hierunter fallen unter anderem die Blasenkatheterisierung sowie der Austausch und/oder die Veränderung des Urins.
Stimulanzien
Amphetamine führen zu einer zentralen Stimulation. Es kommt zu einem Gefühl psychischer Aufgewecktheit, erhöhtem Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen sowie zu einer Steigerung des Konzentrationsvermögens. Die Einnahme von Amphetaminen unter hoher sportlicher Belastung ist nicht ohne Risiko. Es können lebensbedrohliche Zustände eintreten, insbesondere bei zusätzlichen Belastungen wie Hitze, Höhe (mit vermindertem Sauerstoffdruck), Dehydrierung oder Verletzungen.
In der WADA-Liste werden unter den Stimulanzien Koffein und einige andere Wirkstoffe wie Bupropion, Phenylephrin, Phenylpropanolamin, Pipradrol, Pseudoephedrin und Synephrin nicht mehr aufgeführt. Diese dürfen eingesetzt werden. Damit unterliegen zahlreiche Medikamente gegen Erkältungskrankheiten nicht mehr dem früheren Verbot. Bei Koffein müssen 5 bis 6 g/kg KG innerhalb von zwei Stunden getrunken werden, um den kritischen Wert von 12 mg/L im Urin zu erreichen.
Narkotika und Analgetika
Unter Narkotika werden nur die Wirkstoffe aufgeführt, die nach der WADA-Liste verboten sind (Kasten 2). Damit können starke Schmerzmittel wie zum Beispiel Tramadol und Tilidin eingesetzt werden. Lokalanästetika – auch in Verbindung mit Adrenalin – unterliegen keiner Beschränkung.
Cortison
Die systemische Gabe von Glucocorticoiden im Zusammenhang mit einem Wettkampf ist verboten – das heißt, wenn die Therapie oral, rektal, durch venöse oder intramuskuläre Injektion erfolgt.
Der nichtsystemische Einsatz von Glucocorticoiden als Inhalation oder als Injektion in Gelenke, an Muskel- und Sehnenansätze, ist erlaubt. Er muss jedoch mit dem ATUE-Formular (ATUE, „abbreviated therapeutic use examination“, verkürzte medizinische Ausnahmeregelung) angezeigt werden. Die übrigen Zubereitungen unterliegen keiner Beschränkung.
β-Rezeptorenblocker
Bei Sportarten, deren Leistung auch durch koordinative, konzentrative und psychische Faktoren bestimmt werden, können β-Blocker die überschießenden Herz-Kreislauf-Reaktionen und die allgemeinen Symptome wie Schwitzen und Tremor dämpfen. β-Blocker reduzieren bei derartigen Wettkampfbelastungen die übermäßige Herz-Kreislauf-Reaktion, verringern den Tremor und beeinflussen die Angstsymptomatik günstig. Sie sind in einigen Sportarten verboten (Kasten 2). Eine solche Verbesserung des Wettkampfergebnisses durch β-Blocker lässt sich nicht zuverlässig objektivieren.
Medizinische Ausnahmegenehmigung zur Medikamentengabe
Erkrankte Sportler können mit medizinisch notwendigen Medikamenten behandelt werden. Der Code der WADA erlaubt Sportlern und ihren behandelnden Ärzten, eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen und verbotene Wirkstoffe oder verbotene Methoden zur Behandlung von chronischen Erkrankungen einzusetzen (3, 4).
Es gibt zwei Ebenen des Entscheidungsprozesses:
- TUE – „therapeutic use exemption“ = medizinische Ausnahmegenehmigung
- ATUE – „abbreviated therapeutic use exemption“ = verkürzte medizinische Ausnahmegenehmigung. Dieses vereinfachte Verfahren gilt nur für die Beta-2-Agonisten Formoterol, Salbutamol, Salmeterol und Terbutalin zur Inhalation, ferner für Glucocorticoide bei nichtsystemischer Anwendung als Inhalation oder als Injektion in Gelenke und an Muskel- und Sehnenansätze.
Der internationale Standard der WADA für medizinische Ausnahmegenehmigungen enthält Kriterien für die Beurteilung, die Weitergabe der Informationen, die Zusammensetzung der entscheidenden Ärztegruppe (TUEC, „therapeutic use exemption committee“ ) und die Anerkennung der Ausnahmen.
Wichtig ist, dass die bei einer chronischen Erkrankung erforderliche Medikation keine zusätzliche Leistungssteigerung bewirkt. Eine medizinische Ausnahmegenehmigung ist immer dann erforderlich, wenn verbotene Wirkstoffe von der WADA-Liste zur Behandlung eingesetzt werden sollen oder müssen.
Der Einsatz verbotener Wirkstoffe, um „erniedrigte“ oder niedrig normale Spiegel von endogenen Hormonen (zum Beispiel Testosteron) anzuheben, ist als therapeutische Maßnahme nicht zu akzeptieren und gilt als Doping.
Sollten die von einem gesunden Organismus synthetisierten Wirkstoffe für bestimmte sportliche Höchstleistungen bei einzelnen Sportlern nicht ausreichen, so ist dies als eine natürliche Grenze der individuellen Leistungsfähigkeit zu respektieren.

Formulare
Formulare für Ausnahmegenehmigungen findet man unter www.nada-bonn.de beziehungsweise auf den Internetseiten der Fachverbände. Dort gibt es auch weitere Informationen. Die Anträge sind über die nationalen Sportfachverbände an die NADA beziehungsweise an die internationalen Fachverbände zu richten. Wird der Antrag genehmigt, erhält der Sportler ein Dokument („certificate of approval“) mit dem Hinweis auf die genehmigten Medikamente, das er bei einer Dopingkontrolle vorlegen kann.

TUE – Standard für (chronische) Erkrankungen
Bei der Einreichung einer TUE sind ausführliche ärztliche Unterlagen für die Beurteilung und Freistellung erforderlich. Die NADA sprach erstmals im Jahr 2004 Freistellungen nach dem neuen WADA-Code aus. Von 2004 bis 2005 erfolgten 119 Freistellungen, unter anderem für die Behandlung von Diabetes mellitus Typ 1 mit Insulin, für die Therapie von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, und multipler Sklerose mit Glucocorticoiden, für die Gabe von Testosteron bei Orchiektomie beiderseits und Hypogonadismus, für die Verabreichung von Wachstumshormon bei Kleinwuchs, für die Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) mit Methylphenidat und für die Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit β-Blockern und Diuretika.
Mit 21 Anträgen gibt es auffällig viele Wünsche auf Freistellung für Methylphenidat bei der Diagnose ADHS. Elf Anträge wurden befürwortet. Dreimal kam es nach Hinweisen der NADA zur Umstellung auf das nicht verbotene Atomoxetin (8).

ATUE – „abbreviated process“, vereinfachtes Verfahren
Für die Beta-2-Agonisten Formoterol, Salbutamol, Salmeterol und Terbutalin gibt es ein verkürztes Verfahren. In dem Formular ist vom Arzt eine eindeutig belegte Diagnose anzugeben. Die Befunde der Lungenfunktionsprüfungen müssen vorgelegt werden. Bei einer Notfallbehandlung mit einem Glucocorticoid in unmittelbarem Wettkampfzusammenhang ist die systemische Gabe von Cortison das Mittel der Wahl. Diese Behandlung muss beim Arzt der Veranstaltung, der NADA und den beteiligten Ärzten angezeigt werden. Sollte kein entsprechendes Formular ATUE vorliegen, genügt eine kurze formlose ärztliche Bescheinigung.
Die Ausnahmegenehmigungen müssen von der nationalen (NADA) oder internationalen Anti-Doping-Organisation an die WADA gemeldet werden. In Zweifelsfällen kann die WADA eingreifen. Die WADA dient auch als Widerspruchsinstanz falls der Antragsteller mit dem Ergebnis nicht einverstanden ist.
Betreuung von Sportlern außerhalb der Kader A, B und C
Ärztliches Attest
D-Kadersportler, unter 15-Jährige und über 50-Jährige Sportler sowie solche, die keinem Kader angehören, müssen folgende erforderliche Therapien durch eine ärztliche Bescheinigung nachweisen:
- Inhalation mit einem Beta-2-Agonisten (nur die Wirkstoffe Formoterol, Salbutamol, Salmeterol und Terbutalin)
- nichtsystemische Behandlung mit einem Glucocorticoid (zum Beispiel inhalative Corticoide)
Über 50-jährige Sportler, die keinem Kader angehören, weisen zusätzlich eine ärztliche Bescheinigung nach für die:
- Therapie mit β-Blockern beziehungsweise Diuretika
- erforderliche Behandlung eines insulinpflichtigen Diabetes mellitus mit Insulin
- erforderliche nichtsystemische Behandlung mit Glucocorticoiden als Injektion in Gelenke, an Muskel- und Sehnenansätze.
Die Bescheinigung wird bei einer Dopingkontrolle vorgelegt und dem Originalprotokoll beigefügt.
Die Regelwerke der nationalen und internationalen Fachverbände sind zu beachten:
- Für alle Ärzte gilt, Sportler im Kader müssen den TUE- und ATUE-Regeln der WADA folgen.
- Jeder Arzt, der Dopingmittel rezeptiert oder verabreicht, macht sich strafbar.
- Jeder Arzt, der Sportler betreut, muss sich über die aktuellen Anti-Doping-Richtlinien informieren.
- Auch die Gabe von Dopingsubstanzen an Freizeitsportler (Bodybuilder und andere) ist ein eindeutiges Vergehen gegen das AMG.
Das derzeit größte und ungelöste Problem ist aber die fast unbegrenzte Verfügbarkeit von Dopingsubstanzen über das Internet.

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des Internationalen Committee of Medical Journal Editors besteht.

Manuskriptdaten
eingereicht: 18. 1. 2006, revidierte Fassung angenommen: 30. 8. 2006


Weitere Hinweise zu den verbotenen Wirkstoffen gibt es in den jährlich erscheinenden Arzneimittelinformationen: Rote Liste: Arnzneimittelinformationen. Aulendorf: Editio Cantor Verlag, und in Ruß A, Endres St: Arzneimittel pocket plus. Börm Bruckmeier Verlag.

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Dirk Clasing, Universität Münster – Sportwissenschaft
Lohöfenerweg 31, 48153 Münster
E-Mail: clasing@nada-bonn.de

English version of this article is available online:
www.aerzteblatt.de/english
1.
Clasing D (Hrsg.): Doping und seine Wirkstoffe – verbotene Arzneimittel im Sport. Balingen: Spitta Verlag Balingen 2004.
2.
Kindermann W: Dopingproblematik und aktuelle Dopingliste. Dtsch Zschr Sportmed 2004; 55: 90–6.
3.
Clasing D, Müller RK: Dopingkontrolle – Informationen für Aktive, Betreuer und Ärzte zur Bekämpfung des Medikamentenmissbrauchs im Sport. 4. Aufl. Köln: Sport und Buch Strauß 2006.
4.
World Anti-Doping Agency: World Anti Doping-Code. Montreal: World Anti-Doping Agency 2003.
5.
World Anti-Doping Agency: The 2007 Prohibited List (www.wada-ama.org ).
6.
Müller RK, Grosse J, Wahl A: Doping. In: Madea B, Brinkmann B (Hrsg.): Handbuch gerichtliche Medizin. Berlin: Spinger 2003.
7.
Peters Ch, Schulz Th, Michna H: Biomedical side effects of doping. Köln: Sport und Buch Strauß 2001.
8.
Wissenschaftlicher Beirat der Bundes­ärzte­kammer: Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“. Dtsch Arztebl 2005; 102 (51–52): A-3609–16. VOLLTEXT
9.
Urhausen A: Anspruch und Frust an der Dopingbekämpfung in der ärztlichen Praxis? Papierkrieg an der falschen Front. Dtsch Zschr Sportmed 2004; 55: 245–6.
1. Clasing D (Hrsg.): Doping und seine Wirkstoffe – verbotene Arzneimittel im Sport. Balingen: Spitta Verlag Balingen 2004.
2. Kindermann W: Dopingproblematik und aktuelle Dopingliste. Dtsch Zschr Sportmed 2004; 55: 90–6.
3. Clasing D, Müller RK: Dopingkontrolle – Informationen für Aktive, Betreuer und Ärzte zur Bekämpfung des Medikamentenmissbrauchs im Sport. 4. Aufl. Köln: Sport und Buch Strauß 2006.
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6. Müller RK, Grosse J, Wahl A: Doping. In: Madea B, Brinkmann B (Hrsg.): Handbuch gerichtliche Medizin. Berlin: Spinger 2003.
7. Peters Ch, Schulz Th, Michna H: Biomedical side effects of doping. Köln: Sport und Buch Strauß 2001.
8. Wissenschaftlicher Beirat der Bundes­ärzte­kammer: Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“. Dtsch Arztebl 2005; 102 (51–52): A-3609–16. VOLLTEXT
9. Urhausen A: Anspruch und Frust an der Dopingbekämpfung in der ärztlichen Praxis? Papierkrieg an der falschen Front. Dtsch Zschr Sportmed 2004; 55: 245–6.

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