ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2006Hyperphosphatämie: Neuer Wirkstoff für Dialysepatienten

PHARMA

Hyperphosphatämie: Neuer Wirkstoff für Dialysepatienten

Breitenborn, Katrin

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Zur Behandlung der Hyperphosphatämie bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz steht jetzt der kalziumfreie Phosphatbinder Lanthancarbonat (Fosrenol®) zur Verfügung. „Epidemiologische Studien haben in den vergangenen Jahren Hinweise erbracht, dass Störungen im Kalzium-Phosphat-Haushalt mit erhöhter Morbidität und Mortalität bei Dialysepatienten vergesellschaftet sind“, erklärte Priv.-Doz. Dr. Markus Ketteler (Universitätsklinik Aachen). Dabei scheinen die Hyperphosphatämie und Hyperkalzämie, ebenso wie eine erhöhte Kalziumzufuhr, mit der vermehrten und progressiven Entwicklung von kardiovaskulären Verkalkungen bei den Patienten zusammenzuhängen.
Eine Studie bei neu erkrankten Dialysepatienten konnte zeigen, dass 60 Prozent schon vor Dialysebeginn eine koronararterielle Verkalkung aufwiesen. Vor allem unter der Gabe von kalziumhaltigen Phosphatbindern nahm die Verkalkung in den ersten 18 Monaten nach Dialysebeginn deutlich zu (Block GA, Spiegel DM, Ehrlich J et cetera: Effects of sevelamer and calcium on coronary artery calcification in patients new to hemodialysis. Kidney Int 2005; 68: 1815–24).
Lanthancarbonat besitzt hohe Bindungsaffinität
Zur Therapie der Hyperphosphatämie stehen alternativ zu den kalziumhaltigen Phosphatbindern noch Sevelamer und aluminiumhaltige Mittel zur Verfügung. Der kalziumfreie Phosphatbinder Sevelamer bindet als Ionenaustauscher Phosphat nur relativ unselektiv und kann unter Umständen zu Darmobstruktion oder Ileus führen. Aluminiumhaltige Mittel werden fast nicht mehr verwendet, obwohl sie eine sehr hohe Phosphat-Bindungsaffinität besitzen, aber sehr toxisch sind.
Ziel war die Entwicklung eines kalziumfreien, ungiftigen Phosphatbinders mit hoher Affinität zu Phosphat. In-vitro-Untersuchungen hätten gezeigt, dass der neue Wirkstoff Lanthancarbonat dieselbe hohe Affinität zu Phosphat wie Aluminium besitzt, ohne dessen Toxizität zu entwickeln, erklärte Prof. Hans-H. Neumayer (Klinik für Nephrologie und Nierentransplantation Charité, Berlin).
So binde Lanthancarbonat Phosphat über den gesamten physiologisch relevanten pH-Bereich als unlösliches Lanthanphosphat, das dann über den Stuhl ausgeschieden würde. Dabei bliebe die systemische Resorption minimal. Nach jahrelanger Anwendung fände sich der Wirkstoff nur in minimaler Konzentration in Leber und Knochen, nicht aber im Gehirn, erläuterte Prof. (em.) Marc de Broe (Leiter des Nephrologischen Forschungslabors an der Universitätsklinik Antwerpen, Belgien).
In Versuchen an gesunden und niereninsuffizienten Nagern fand sich kein Anzeichen von klinisch relevanten Risiken. Darüber hinaus wurde der Wirkstoff in Studien an circa 6 000 Patienten untersucht. Sieben randomisierte, kontrollierte Phase-II/III-Studien mit mehr als 2 600 Patienten sind bisher veröffentlicht, davon vier placebokontrolliert, zwei mit Kalziumkarbonat als Referenzsubstanz und eine gegen Standardtherapie als Kontrolle. Ferner liegen noch mehrere offene, nicht kontrollierte Extensionsstudien mit Langzeitbehandlungen bis zu sechs Jahren vor. Eine erste Phase-IV-Studie mit etwa 2 700 Patienten wurde in den USA durchgeführt.
Als Ergebnis bei den randomisierten, kontrollierten Studien zeigte sich fast immer eine Senkung des Serum-Phophatspiegels in den K/DOQI-Zielbereich (Leitlinien der Kidney Disease Outcome Quality Initiative der National Kidney Foundation). Durchschnittlich lag die erforderliche Tagestherapiedosis zur Erreichung des Zielwertes bei 2 250 mg Lanthancarbonat. Das Kalzium-Phosphat-Produkt, das Serum-Kalzium und das intakte Parathormon lagen unter der Fosrenol-Therapie ebenfalls durchschnittlich im K/DOQI-Zielbereich. Langzeitstudien belegten eine dauerhaft gute Serum-Phosphateinstellung.
„Fosrenol gibt es als Kautabletten mit den Wirkstoffmengen 250, 500, 750 und 1 000 mg, sodass viele Patienten mit einer Tagesdosis von drei Tabletten eingestellt werden können“, sagte Neumayer. Bei anderen Phosphatbindern sind meist wesentlich mehr Tabletten notwendig.
Katrin Breitenborn

Symposium „Paradigmenwechsel in der Therapie der Hyperphosphatämie“ des Unternehmens Shire anlässlich des 37. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie in Essen
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema