SUPPLEMENT: Reisemagazin

Mallorca: Zurück zur Natur

Korzilius, Heike

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LNSLNS Ein neues Umweltbewusstsein sowie die Förderung von Öko- und Agrotourismus sollen Sünden der Vergangenheit vermeiden helfen.

Foto: picture alliance/Bildagentur Huber
Foto: picture alliance/Bildagentur Huber
Auf den Spuren der französischen Schriftstellerin
George Sand und ihres Geliebten, des polnischen Komponisten Frédéric Chopin, sind schon viele gewandelt; beide verbrachten den Winter 1838/39 in dem noch immer malerischen Bergdorf Valldemossa auf Mallorca. Ebenso viele Besucher dürften an milden Novemberabenden den Sonnenuntergang vor der imposanten Kulisse des Tramuntana-Gebirges erlebt haben, die wenigsten hingegen werden dies auf dem Gelände des Klärwerks der Hauptstadt Palma getan haben. Die Beschäftigung mit übel
riechendem Abwasser, Müll und Lärm zählt nicht zu den klassischen freiwilligen Urlaubsaktivitäten.
Dabei hat sie auf Mallorca durchaus Relevanz. Rund acht Millionen Touristen besuchen jährlich die sonnenverwöhnte und vergleichsweise kleine Baleareninsel. Für sie werden Golfplätze bewässert und Hotelpools gefüllt. Die meisten Gäste verbrauchen in den Ferien dreimal so viel Wasser wie zu Hause. Dazu kommt der übliche Wasserverbrauch in der Landwirtschaft. In den tro-
ckenen Sommermonaten der Hochsaison droht das Wasser knapp zu werden. Um größere Engpässe zu vermeiden, versucht man auf Mallorca, keinen Tropfen zu verschwenden. Rund 100 Millionen Liter werden täglich in der „modernsten Kläranlage Europas“ (der Leiter) aufbereitet und für Grünanlagen und Ackerbau wiederverwendet.
Problem Nummer zwei ist der Müll: Die in den Sommermonaten um das Einhundertfache angewachsene Bevölkerung verursacht täglich 2 000 Tonnen Müll; das entspricht 200 Lastwagenladungen am Tag. Der Technologiepark vor den Toren der Hauptstadt betreibt deshalb nicht nur eine moderne Recycling- und Müllverbrennungsanlage. Die
Betreiber wollen mit Führungen und Kurzfilmen über den Park auch das Umweltbewusstsein der Bevölkerung schärfen. Steigende Besucherzahlen – 2004 besichtigten rund 30 000 Menschen die Anlage – stimmen optimistisch.
Mit seiner Agenda 21 rückt auch der Bezirk Palma
den drohenden Umweltproblemen zu Leibe. Regelmäßige Lärmmessungen und eine Lärmkarte sollen die heftigsten Auswüchse des Massentourismus eindämmen. Obendrein wird die Qualität der Badestrände und Gewässer offiziell zertifiziert, und in der Bebauungsplanung lautet der Slogan „weniger Hotels, mehr Grün“.
Gutsbesitzer Carlos baut noch im kleinen Stil seine Ökoweine an. Foto: Son Dagueta
Gutsbesitzer Carlos baut noch im kleinen Stil seine Ökoweine an. Foto: Son Dagueta
Der alternative Trend zahlt sich aus. Längst hat sich Mal-
lorca vom Image der billigen, lärmenden Massentourismus-Insel befreit und zieht auch Gäste an, die es eher ursprünglich und ländlich-beschaulich lieben. Ferien in der Finca werden vor allem bei deutschen Touristen immer beliebter, wie der Fremdenverkehrsverband von Mallorca mitteilt. Unter der Marke „Agroturismo“ schlossen sich bereits 1989 Bauern zusammen, die ihre alten Landgüter durch die Vermietung von Zimmern vor dem Verfall bewahren wollten, weil der landwirtschaftliche Ertrag allein nicht mehr zum Unterhalt reichte. Inzwischen hat die „Associació Agroturisme Balear“ 110 Mitglieder, und seit Mitte der 90er-Jahre geht es mit der Geschäftsidee bergauf.
Seit zwei Jahren beherbergt auch die Finca Son Dagueta nahe Porreras im Landesinneren Gäste. Die Gebäude aus dem 17. Jahrhundert liegen etwas abseits des Dorfes mit Blick auf die umliegenden Felder. Gutsbesitzer Carlos hat sich dem ökologischen Landbau verschrieben, und auch die Gäste werden mit Gemüse aus eigenem Anbau verköstigt. Auf eine lange Tradition blickt die zum Gut gehörige Weinkellerei zurück. Sie wurde 1790 in Porreras gegründet. Im Kellergewölbe lagert Carlos – noch im kleinen Stil – Sauvignon, Syrah, Merlot und Callet, ebenfalls aus ökologischem Anbau. Seine jüngste Geschäftsidee: Die Gäste kreieren ihren eigenen Wein, was von der Wahl der Traubensorte über die Art des Fasses bis hin zum Design des Etiketts reicht.
Das Hotel Es Castell zieht Gäste an, die es ländlichbeschaulich lieben. Foto: Es Castell
Das Hotel Es Castell zieht Gäste an, die es ländlichbeschaulich lieben. Foto: Es Castell
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Fernab vom Trubel der Strände, überhaupt fernab vom geschäftigen Treiben, liegt das Hotel Es Castell am Fuß des Tramuntana-Gebirges. Eine echte „Aussteiger-Adresse“, allerdings mit allem Komfort. Um das Landgut zu erreichen, dessen Gebäude zum Teil aus dem 11. Jahrhundert stammen, rumpelt man vom Weiler Binibona aus über einen Feldweg, an Feldern vorbei auf die grandiose Bergkulisse zu, vor der sich im November dramatische Wolkenschauspiele abspielen können – Wolkenschauspiele, die man weiterverfolgen kann, wenn man das Glück hat, das Zimmer mit eigener Dachterrasse zu ergattern. Da es ein ausgezeichnetes kleines Restaurant gibt, muss man auch in der Abgeschiedenheit nicht auf kulinarische Genüsse – viele aus eigenem Anbau – verzichten. Beide Fincas verfügen im Übrigen über eigene Swimmingpools – trotz Umweltgewissen ein schöner Umstand. Heike Korzilius

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