ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 3/2006Medizinische Reisevorsorge: Last-Minute-Reisen

Supplement: Reisemagazin

Medizinische Reisevorsorge: Last-Minute-Reisen

Dtsch Arztebl 2006; 103(49): [28]

Schrörs, Hans-Jürgen

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Auch „in letzter Minute“ kann noch einiges erledigt werden.

Die zunehmende Zahl von Auslandsreisenden in tropische Gebiete führt auch zu einem größeren Angebot an „Last-Minute-Reisen“ in diese Regionen. Normalerweise empfehlen Tropen- und Reisemediziner, dass mit den Schutzimpfungen vier bis sechs Wochen vor der Abreise begonnen werden sollte. Die verbreitete Meinung, der verbleibende Zeitraum vor einer „Last-Minute-Reise“ reiche deshalb nicht aus, um noch Impfungen durchzuführen zu lassen, muss relativiert werden.
Zu unterscheiden sind:
- Impfvorschriften, die bei der Einreise in ein Land erforderlich sind und nachgewiesen werden müssen;
- Impfempfehlungen, die von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) oder nationalen Institutionen zusammengestellt werden, um einen optimalen Schutz zu gewähren.
Zu den Impfvorschriften des internationalen Reiseverkehrs gehören heute nur die Impfungen gegen Meningokokkenmeningitis und Gelbfieber. Ein Impfschutz gegen Meningokokkenmeningitis wird für Mekka-Pilger beim Visumantrag für die Einreise nach Saudi-Arabien verlangt. Ein Impfschutz gegen Gelbfieber wird in einigen afrikanischen Ländern prinzipiell verlangt, in vielen Ländern dann, wenn man direkt aus einem potenziellen Gelbfiebergebiet einreist. Die vorgeschriebene Impfung muss spätestens zehn Tage vor der Einreise erfolgt und von einer Gelbfieberimpfstelle amtlich dokumentiert sein.
In vielbereisten Ländern, wie Kenia oder Brasilien, besteht in einigen Regionen ein Gelbfieberrisiko, eine Impfvorschrift ist von diesen Ländern jedoch nicht erlassen. Da es aber für die Erkrankung keine wirksame Therapie gibt und sie häufig tödlich endet, wird eine Gelbfieberimpfung für Reisende empfohlen, die gefährdete Gebiete aufsuchen.
Eine Schutzimpfung gegen Gelbfieber ist auch kurz vor einer „Last-Minute-Reise“ durchführbar und sinnvoll, wenn der Reisende ein gefährdetes Gebiet betritt, auch wenn die Reise in weniger als zehn Tagen beginnt. Man sollte aber wissen, dass sich der Impfschutz langsam aufbaut und frühestens eine Woche nach der Impfung vollständig ist.
Folgende Impfungen können unmittelbar vor der Abreise durchgeführt werden und werden besonders empfohlen:
- Tetanus und Diphtherie bei Reisen weltweit
- Poliomyelitis bei Reisen in afrikanische, asiatische und osteuropäische Länder
- Hepatitis A bei Reisen nach Afrika, Asien, Süd- und Mittelamerika
- Gelbfieber bei Reisen in das tropische Afrika und Südamerika
- Typhus bei Reisen in Länder mit niedrigem hygienischem Standard, besonders bei engen sozialen Kontakten und „Rucksackreisen“.
Malariavorsorge
Die medikamentöse Malariaprophylaxe kann jederzeit vor einer „Last-Minute-Reise“ begonnen werden. Man sollte jedoch berücksichtigen, dass sich der Medikamentenspiegel im Blut langsam aufbaut. Normalerweise beträgt diese Zeit eine Woche. Ist eine „Schnellprophylaxe“ erforderlich, wird die Dosis der ersten Woche sofort bei Reisebeginn genommen. Anschließend erfolgt die Einnahme nach dem empfohlenen Schema. Nur als „Malaria-Schnellprophylaxe“, zum Beispiel bei Last-Minute-Reisen, werden folgende Dosierungen empfohlen:
- Chloroquin (Körpergewicht mehr als 80 Kilogramm): je zwei Tabletten (zweimal 150 Milligramm) nach dem Essen an zwei Tagen innerhalb der letzten Woche vor der Abreise, dann drei Tabletten wöchentlich
- Chloroquin (Körpergewicht weniger als 80 Kilogramm): je zwei Tabletten (zweimal 150 Milligramm) nach dem Essen an zwei Tagen innerhalb der letzten Woche vor der Abreise, dann zwei Tabletten einmal wöchentlich
- Mefloquin: je eine Tablette an drei aufeinander folgenden Tagen nach dem Essen, dann eine Tablette wöchentlich
- Atovaquon/Proguanil: eine Tablette einmal täglich mit dem Essen ein bis zwei Tage vor Betreten des Malariagebiets
- Doxycyclin: eine Tablette täglich, einen Tag vor Betreten des Malariagebiets, spätestens fünf Tage nach Ankunft. Es ist zu beachten, dass Doxycyclin zwar von der WHO als Malariaprophylaxe empfohlen wird und auch die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin diese Empfehlung ausspricht, das Medikament aber in Deutschland für diese Indikation nicht zugelassen ist. Die Schnellprophylaxe ist nicht optimal und sollte die Ausnahme sein. Sie ist aber besser als gar keine Vorsorge.
Dr. Hans-Jürgen Schrörs, www.reisevorsorge.de
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