SUPPLEMENT: Reisemagazin

Richtig versichert ins Ausland: Rundum sorglos

Heubeck, Rainer

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Zu sorglos reisen zahlt sich nicht immer aus. Foto: Eberhard Hahne
Zu sorglos reisen zahlt sich nicht immer aus. Foto: Eberhard Hahne
Viele Pauschalpakete versichern Risiken mit, deren Absicherung weder sinnvoll noch notwendig ist.

Wohl nahezu jedem, der im Reisebüro eine Pauschalreise bucht, wird gleichzeitig ein umfassendes Versicherungspaket angeboten. Meist lohnt es sich, vorab zu überlegen, welcher Versicherungsschutz bei einer Auslandsreise tatsächlich notwendig ist und nicht das erstbeste Rundum-Sorglos-Paket abzuschließen.
Die sinnvollste und notwendigste Versicherung ist zweifelsohne die Auslandsreise-Kran­ken­ver­siche­rung. Für gesetzlich Versicherte ist sie quasi ein Muss, doch auch privat Versicherten, für die der Auslandsschutz oftmals bereits in den PKV-Tarif eingeschlossen ist, kann sie Vorteile bringen: Im Krankheitsfall ist es für sie häufig günstiger, die Krankheitskosten einer Auslandsreise direkt über den Auslandsreiseschutz abzurechnen. So sparen privat Versicherte am vereinbarten Selbstbehalt und sichern sich gegebenenfalls eine höhere Beitragsrückerstattung zum Jahresende. Zudem gibt es auch Privatpolicen, die nur innerhalb Europas unbeschränkten Schutz bieten oder die keinen Krankenrücktransport beinhalten.
Wer mehr als einmal im Jahr verreist, für den lohnt es sich in der Regel nicht, bei jeder Auslandsreise mögliche Krankheitskosten gesondert zu versichern. Sinnvoller ist der Abschluss einer Jahrespolice. Eine solche ist für Einzelreisende bereits für weniger als zehn Euro erhältlich. Damit sind beliebig viele Reisen mit einer in den Versicherungsbedingungen festgelegten Höchstdauer abgedeckt, die meist zwischen 30 und 60 Tagen liegt. Wichtig ist es, dass der Vertrag eine ausreichende Nachleistungspflicht beinhaltet, damit sichergestellt ist, dass der Versicherungsschutz weiter besteht, wenn die Versicherungshöchstdauer abgelaufen ist, aber aus medizinischen Gründen noch keine Rückkehr möglich ist.
Ein weiteres Auswahlkriterium sollte sein, dass die Versicherung auch den Rücktransport umfasst. Dieser ist bei den meisten Versicherungen nur dann versichert, wenn er medizinisch notwendig und ärztlich angeordnet ist, was in der Regel dann der Fall ist, wenn eine angemessene Behandlung vor Ort nicht möglich ist. Wer als Patient mehr Mitspracherechte haben will, sollte nach einer Versicherung suchen, die den Rücktransport dann einschließt, wenn dieser „medizinisch sinnvoll und vertretbar“ ist.
Ob eine Reiserücktrittskostenversicherung Sinn macht, hängt stark vom Reisepreis und den persönlichen Umständen ab. Generell lässt sich sagen, dass der Abschluss vor allem bei teuren Pauschalreisen ratsam sein kann. Versichert ist nicht nur der Reiserücktritt wegen unerwarteter Krankheit oder Unfalls des Reisenden, sondern auch die Absage, wenn ein naher Angehöriger schwer erkrankt oder gestorben ist. Auch wenn Komplikationen während einer Schwangerschaft auftreten oder eine erst nach der Buchung festgestellte Impfunverträglichkeit die Reise unmöglich machen, übernimmt die Versicherung in der Regel die Stornogebühren. Häufig ist auch der unerwartete Ausfall der Pflegeperson für einen pflegebedürftigen Angehörigen mit abgedeckt.
Einige Versicherungen leisten auch nach dem Antritt der Reise – und übernehmen beispielsweise die Mehrkosten, die entstehen, wenn die Reise aus gewichtigen Gründen abgebrochen werden muss. Einige Versicherer haben beide Varianten im Angebot – und nennen diese dann beispielsweise „Storno-Schutz“ und „Rücktrittskosten-Vollschutz“, wobei der Storno-Schutz in vielen Fällen ausreicht. Reiseabsagen wegen Krieg, Naturkatastrophen, Sabotage- und Terroranschlägen gelten nicht als Versicherungsfall.
Eine Reisegepäckversicherung, wie sie in den meisten Rundum-Sorglos-Paketen enthalten ist, ist meist wenig zu empfehlen. Zum einen kann man das versicherte Risiko in der Regel selbst tragen, ohne dadurch in gravierende Nöte zu kommen. Zum anderen sind die Versicherungsbedingungen so ausgelegt, dass der Versicherer in vielen Fällen nicht leisten muss. Beispielsweise wird dem Reisenden häufig Fahrlässigkeit unterstellt, weil er sein Reisegepäck angeblich unzureichend verwahrt hat oder unaufmerksam war. Zudem sind meist nicht alle Gegenstände im Reisegepäck gegen Diebstahl, Sachbeschädigung, Unfälle und Naturgewalten abgesichert. Viele Anbieter haben Bargeld, Wertpapiere, Tickets, EDV-Geräte, Handys und Fahrzeuge vom Versicherungsschutz ausgenommen; Schmuck und Filmapparate sind meist nur teilversichert.
Tritt ein Schadensfall ein, erstattet der Versicherer zudem nur den Zeitwert der Gegenstände und nicht den Betrag, der für die Neuanschaffung aufgebracht werden muss. Gegen Diebstähle aus dem Hotelzimmer sind viele Reisende übrigens ohnehin versichert, ohne dies zu wissen – dieser Schutz ist oftmals Bestandteil der normalen Hausratversicherung.
Für Reisende, die mit dem Auto in Urlaub fahren, kann ein Schutzbrief sinnvoll sein, und wer als Mietwagen-Fahrer auf Nummer sicher gehen will, für den lohnt sich möglicherweise eine Mietwagen-Haftpflichtversicherung. Diese kommt zum Tragen, wenn der Mietwagen in einen Unfall verwickelt ist und die Deckungssumme der Versicherung des Mietwagen-Anbieters nicht ausreichen sollte. Vor dem Abschluss einer solchen Versicherung sollten Sie allerdings prüfen, ob die Police nicht bereits in der Kfz-Haftpflicht enthalten ist. Rainer Heubeck
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