ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2006Clara: Der Krankheit entwachsen

KINDER-PSYCHE

Clara: Der Krankheit entwachsen

Eimecke, Sylvia

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die 16-jährige Clara litt an einer schweren bulimischen Erkrankung. Sie hatte die Schule erfolgreich abgeschlossen, lebte aber noch bei ihren Eltern und jüngeren Geschwistern. Mit zunehmender Intensität der Bulimia nervosa verlor Clara an Selbstwertgefühl, wurde affektlabil und leicht reizbar. Während der Behandlung setzte sie sich mit ihren Bedürfnissen nach mehr Aufmerksamkeit und Harmonie in ihrer Familie auseinander. Sie wünschte sich, beschützt zu werden und geborgen zu sein. Im fortlaufenden Therapieprozess gelang es Clara, selbstsicherer zu werden und für sich und ihre Bedürfnisse einzustehen. Außerdem befasste sie sich intensiv mit ihrem Körperschema.
Foto: Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Marburg
Foto: Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Marburg
In ihrem Bild stellt Clara dar, wie sie aus dem Gefängnis ihrer Erkrankung (Vase) emporsteigt. Dabei wird sie von außen (Gießkanne gleich Behandlungsumfeld) unterstützt. Dieser Vorgang der Auseinandersetzung mit der Erkrankung, insbesondere mit dem eigenen Körper, geschieht in kleinen Schritten. In ihrem Bild wird die vorhandene Körperschemastörung noch deutlich: Während Clara selbst ausgesprochen schlank ist, stellt sie sich in ihrem Bild mit Bauchansatz dar. Auch lässt sie das Gesicht aus – die Identifikation mit der eigenen Biografie, der Erkrankung und ihrem Körper fällt noch schwer. Der Schritt dahin ist aber auch nicht mehr fern: Anstelle des Gesichts malt sie eine sich in kräftigem Rot öffnende Blüte, die Aufmerksamkeit auf sich zieht und gesehen werden will. Bis zum Ende der Behandlung war es Clara gelungen, nicht nur ihren Körper zu akzeptieren, sondern sich zu mögen und schön zu finden. Sylvia Eimecke
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema