ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2006Sexualaufklärung: Große Unterschiede innerhalb Europas

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Sexualaufklärung: Große Unterschiede innerhalb Europas

PP 5, Ausgabe Dezember 2006, Seite 546

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Internationale Tagung von BZgA und WHO erarbeitet Strategien zur Verbesserung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit Jugendlicher.
Das Wissen von Jugendlichen über Verhütung und mögliche Risiken klafft in den europäischen Staaten weit auseinander. So gibt es einige Länder, in denen die Zahl von ungewollten Teenager-Schwangerschaften und Abbrüchen erschreckend hoch sei, betonte die Leiterin der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Dr. Elisabeth Pott, zum Auftakt einer dreitägigen Tagung zur „Sexualaufklärung in einem multikulturellen Europa“ in Köln. Die BZgA und das europäische Regionalbüro der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in Kopenhagen hatten 100 Fachkräfte aus 26 Nationen eingeladen, um Strategien zur Verbesserung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit Jugendlicher zu erarbeiten.
„Kultursensible“ Konzepte müssen geschaffen werden Anliegen der Konferenz ist es, von Portugal bis zur Russischen Föderation die Zahl der Teenager-Schwangerschaften zu reduzieren, sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen vorzubeugen und die „alarmierende Entwicklung der HIV-Epidemie“ einzudämmen. „Unabhängig von den national und kulturell bedingten unterschiedlichen Herausforderungen und Wertvorstellungen gilt es, gemeinsam qualitätsgesicherte Konzepte zur Sexualpädagogik zu entwickeln“, sagte Gerd Hoofe, Staatssekretär im Bundesfamilienministerium. Sie müsse frühzeitig besonders auch Teenager aus „bildungsfernen“ Familien ansprechen.
Dabei spielen Konzepte für Migranten eine besondere Rolle, da dieser Personenkreis besonders schwierig zu erreichen sei. Allein in Deutschland leben 14 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, für die kultursensible Konzepte und Zugänge zur Gesundheitsberatung geschaffen werden müssen. „Das Thema Sexualität ist in diesen Familien häufig tabuisiert“, betonte Pott.
So werden in Deutschland jedes Jahr immer noch 16 von 1 000 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren ungewollt schwanger. Ein Problem, das europaweit zunimmt. Besonders hoch sei die Zahl der Teenager-Schwangerschaften in Großbritannien (47 von 1 000), Russland, Ungarn und Bulgarien, sagte Dr. Gunta Lazdane (WHO). Seltener würden junge Mädchen in Belgien, den Niederlanden, der Schweiz, Italien oder den skandinavischen Ländern schwanger. Allerdings verzichteten gerade Jugendliche in Skandinavien immer häufiger auf den Gebrauch von Kondomen als ihre Altersgenossen in allen anderen europäischen Ländern.
Dass fachkundige Angebote zur Aufklärung – von der seriösen Internet-Loveline bis zu Unterrichtsprojekten – greifen, belegt eine aktuelle Studie der BZgA, die seit 1980 regelmäßig Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren und deren Eltern befragt. Die jetzige, sechste Stichprobe mit 2 497 Jugendlichen belege erhebliche Erfolge der Sexualaufklärung in den letzten 25 Jahren, erklärte Pott. Als deutliche Besserung wertete die BZgA-Leiterin, dass 71 Prozent der Mädchen und 66 Prozent der Jungen sich beim ersten Geschlechtsverkehr mit einem Kondom schützen. Im Jahr 1980 lag der Wert nur bei 32 Prozent beziehungsweise 28 Prozent. Dr. med. Vera Zylka-Menhorn
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