ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2006Reproduktionsmedizin: Normale Belastungen
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LNSLNS Tut mir leid, aber solche oberflächlichen Artikel ärgern mich einfach.
Wie die Autorin schreibt, ändern sich die Methoden und Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin sehr schnell. Die Studie, welche sie zitiert, ist von 1991, wenn ich die Zitierungsweise richtig verstehe. Was soll sie also aussagen? Es gab keine Kontrollgruppe, also Paare, welche sich trotz Kinderwunsch keiner Behandlung unterzogen haben, wer weiß, wie groß deren psychische Belastungen, wie viele Beziehungen darüber zerbrochen sind.
Gleichzeitig ärgert es mich, wie aus jeder Belastung gleich eine psychische Störung gemacht wird. Natürlich ist eine derartige Behandlung aus diversen Gründen eine Belastung, Kinder (keine Kinder) sind Belastungen, medizinische Behandlungen, das Leben besteht aus Belastungen, und wir reagieren dementsprechend, wäre ja schlimm, wenn nicht. Natürlich, wenn die Möglichkeit besteht (im Gegensatz zur Nichtbehandlung), schwanger zu werden, und es klappt dann nicht, ist das eine Enttäuschung, die Aussage ist banal. Es wird immer Menschen geben, die Hilfe brauchen, mit Stress und Belastung umzugehen, aber das ist keine Besonderheit der Fertilitätsbehandlung. Die Aufzählung der Risiken, welche mit der Fertilitätsbehandlung einhergingen ist schlichtweg falsch, es gibt keinen Beleg für vermehrte Schwangerschaftskomplikationen aufgrund der Behandlung, Imprintig-Defekte (Effekte) sind unbewiesen, bis jetzt gibt es nur Hypothesen dazu. Risiko einer Frühgeburt ist bei Mehrlingsschwangerschaften immer erhöht, egal auf welchem Wege die Schwangerschaft entstanden ist. Vermehrte Mehrlingsgeburten und die damit verbundenen Risiken sind ein Artefakt und keine zwangsläufige Folge der Behandlung, sondern gehen auf die Ignoranz des deutschen Embryonenschutzgesetzes zurück. Andere europäische Länder haben diese Probleme aufgrund der besseren Gesetze nicht.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Anna K. Gnutzmann,
Ludwigstraße 104, 42105 Wuppertal
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