ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2006Vorteile von HIV-Routinetests

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Vorteile von HIV-Routinetests

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Routinemäßige HIV-Tests aller Patienten senken um drei Viertel die Zahl der Fälle, in denen eine HIV-Infektion anlässlich eines Arztbesuches nicht erkannt wird, weil mangels Verdacht auf den Antikörpertest verzichtet wird. Dies zeigen die Ergebnisse einer Studie in Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2006; 55: 1269–72), mit der die US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) für ihre umstrittene Forderung nach routinemäßigen HIV-Tests bei allen Patienten werben.
Da die HIV-Epidemie längst nicht mehr auf die „traditionellen“ Risikopopulationen wie männliche Homosexuelle oder i.v.-Drogenabhängige beschränkt ist, forderte die CDC bereits im September, dass Ärzte alle ihre Patienten auf HIV testen sollten. Dies ist eine Abkehr vom früheren „risikobasierten“ Screening, das nur eine Minderheit der Patienten erfasst. Die „empirische“ Begründung für die Forderung wird jetzt durch eine Analyse von Gesundheitsdaten aus dem US-Staat South Carolina nachgeliefert. Dort gibt es ein zentrales Register für HIV-Patienten und seit 1996 auch ein zentrales Register, das die ICD-Diagnosen aller Patienten von Kliniken und Notfallambulanzen sammelt.
„Spättester“ waren vermutlich schon jahrelang infiziert
In den Jahren 2001 bis 2005 wurden dem HIV-Register 4 315 Neuinfektionen gemeldet. Darunter befanden sich 1 784 Personen (41 Prozent), bei denen zwischen dem positiven HIV-Test und dem Ausbruch der Immunschwächekrankheit Aids weniger als ein Jahr vergingen. Da die Latenzzeit normalerweise bis zu zehn Jahre beträgt, handelte es sich bei diesen Patienten um „Spättester“, die vermutlich schon jahrelang infiziert waren und während dieser Zeit andere Personen angesteckt haben könnten. Zudem verschlechtern sich die Therapieoptionen mit zunehmder Infektionsdauer.
Die Analyse zeigt, dass sich 1 302, das sind 73 Prozent, dieser HIV-positiven Spättester in den Jahren 1997 bis 2005 wenigstens einmal – wegen anderer gesundheitlicher Probleme – in ärztliche Behandlung begeben hatten und mit ihrer ICD-Diagnose registriert wurden. Nach den neuen CDC-Empfehlungen wäre bei diesen Patienten ein HIV-Test durchgeführt und aller Wahrscheinlichkeit nach die Diagnose HIV-positiv frühzeitig gestellt worden. Die CDC verspricht sich deshalb von der neuen Regel eine signifikante Senkung der „verpassten Gelegenheiten“ der Frühdiagnose. Rüdiger Meyer
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