ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2006Krankenhausärzte: Weniger als vor 30 Jahren
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Ich bin seit etwa 30 Jahren Arzt und habe selbstverständlich meine Ausbildung in einer Klinik genossen. Bei der Durchsicht meiner Uraltunterlagen sind mir die alten Abrechnungsunterlagen aus meiner Assistentenzeit in die Hände gefallen und haben mich doch sehr staunen lassen. So weist die Abrechnung beispielsweise des Oktobers 1977 ein Gesamtbrutto von 7 565,54 DM aus, was einer Nettoauszahlung von 4 853,82 DM entsprach. Das war keinesfalls ein Sondermonat mit besonderen Zuschlägen, sondern ein ganz normaler Monat mit den damals üblichen Nachtdiensten. Da meine Tochter sich nicht abhalten ließ, ebenfalls Ärztin zu werden und zurzeit als Fachärztin in einer kommunalen Klinik voll arbeitet, habe ich sehr genaue Kenntnisse von den heutigen Verhältnissen. So liegen ihre Gesamtbruttobezüge bei 4 888,77 Euro, was zu einem Nettogehalt von ca. 2 300,00 Euro führt. Ich muss also feststellen, dass heute, nach ca. 30 Jahren, ein qualifizierter Facharzt weniger, allenfalls gleich viel verdient wie ein Assistenzarzt vor 30 Jahren. Das ist umso bemerkenswerter, als sich die Arbeitsbedingungen, wie sattsam bekannt, deutlich verschlechtert haben. Von einem Ausgleich des Kaufkraftverlusts kann schon gar keine Rede sein. Ich halte diese Tatsache für einen Skandal im Spiegel der Ergebnisse der abgeschlossenen Tarifverhandlungen und der Tatsache, dass sich die öffentlichen Arbeitgeber nicht scheuen, das ohnehin magere Ergebnis durch administrative Tricks noch zu unterlaufen.
Dr. med. Hans Deckner, Haingraben 11,
61169 Friedberg
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