ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2006Deutsche Einheit: Erstaunlich offen
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Den Aufsatz finde ich erstaunlich offen, ja mutig. Ich war vor der Wende oft in der DDR bei meiner „medizinischen“ Verwandtschaft (Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, Psychologen, MTA) und konnte so das Medizinsystem etwas beurteilen. Vor und nach der Wende sind Kollegen auch im Westen gehäuft beim Weg in die Selbstständigkeit in Schwierigkeiten geraten, da es an elementaren wirtschaftlichen Kenntnissen mangelte. Insofern waren damals die Versprechungen und der Druck auf die Ärzte im Osten fast unmoralisch. Wäre es so schrecklich gewesen, zur Wendezeit das System der Polikliniken – modernisiert – als Prototyp bzw. Probelauf im Osten beizubehalten, um es nach Jahren und gründlicher Überarbeitung auch im Westen zu übernehmen? Wir hätten uns ausschließlich um unsere Hauptaufgabe kümmern können. Der Futterneid wäre geringer und die Kollegialität größer gewesen. Wir hätten nicht mit der linken Gehirnhälfte Kaufmann und mit der rechten Arzt sein müssen. Eine historische Chance wurde damals verspielt. Während – ironisch gesagt – in Freiburg im Breisgau in jeder Seitenstraße zwei Kollegen praktizieren, versorgt im Schwarzwald ein Arzt allein mehrere Orte rund um die Uhr. Marktwirtschaft greift hier nicht. So war es schon vor der Wende. In der DDR war das Netz der Vorsorge dichter – nicht weil der Staat menschenfreundlicher, sondern weil es billiger war. Datenschutz hin oder her, das Gesundheitsbuch, das jeder Bürger der DDR hatte, war eine effektive und Kosten sparende Einrichtung. Wenn ehemalige „Ossis“ bei mir in der Praxis waren, hatte ich sofort einen Überblick über das Wesentliche. Warum hat man das nicht übernommen? . . . PS: Ich möchte hier nicht als Anhänger des DDR-Regimes gedeutet werden.
Dr. Volker Schirrmeister, Danziger Straße 24, 79539 Lörrach
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