ArchivDeutsches Ärzteblatt10/1997Ärztliche Erklärung zum Transplantationsgesetz

POLITIK: Aktuell

Ärztliche Erklärung zum Transplantationsgesetz

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LNSLNS Die Transplantationsmedizin ermöglicht seit über zwanzig Jahren auch in Deutschland lebensrettende und lebensverbessernde Behandlung von Patienten - dank der Spendebereitschaft vieler Menschen und ihrer Angehörigen, einer breiten Zustimmung innerhalb der Bevölkerung, aber auch der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Nachbarländern. Die jetzt über ein Jahrzehnt andauernden Beratungen für ein Transplantationsgesetz sowie die oftmals irreführende öffentliche Diskussion haben zu einer Verunsicherung in der Bevölkerung geführt.
Deshalb fordern wir von den politisch Verantwortlichen klare Entscheidungen und befürworten nachdrücklich eine gesetzliche Regelung. Das Transplantationsgesetz muß insbesondere darüber Rechtsklarheit schaffen, daß
! die Unterscheidung zwischen Leben und Tod auch für die Organentnahme gelten und wie bisher der ärztlichen Wissenschaft und der ärztlichen Verantwortung übertragen bleiben muß. Eine Organentnahme bei Sterbenden - wie sie derzeit diskutiert wird - ist mit dem ärztlichen Ethos nicht vereinbar und abzulehnen. Sie kann auch nicht durch persönliche Zustimmung legitimiert werden. Das Leben auch des sterbenden Menschen ist unantastbar und nicht verfügbar. Weltweit läßt kein Transplantationsgesetz eine Organentnahme bei Sterbenden zu.
! die "erweiterte Zustimmungslösung" möglich bleiben soll, um auch mit den nächsten Angehörigen und/oder dem Lebenspartner als Vertretern des Verstorbenen über eine Organentnahme sprechen zu können, falls keine schriftliche Erklärung, etwa in Form eines Organspendeausweises, vorliegt.
! die Organverteilung patientenorientiert erfolgen muß. Die dafür notwendigen medizinischen Kriterien sind in internationaler Zusammenarbeit aufzustellen, fortlaufend dem Stand des medizinischen Wissens anzupassen und zu veröffentlichen.


Der Präsident der
Bundes­ärzte­kammer
Dr. K. Vilmar

Die Präsidenten
der Deutschen Gesellschaften für:


Anästhesiologie und
Intensivmedizin
Prof. Dr. J. Schulte am Esch


Chirurgie
Prof. Dr. H. Bauer


Innere Medizin
Prof. Dr. J. Köbberling


Neurochirurgie
Prof. Dr. M. Samii


Neurologie
Prof. Dr. Th. Brandt


Physiologie
Prof. Dr. Chr. Pfeiffer

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