ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2006Mitteilungen: „Aus der UAW-Datenbank“ – Psychiatrische Reaktionen nach Terbinafin (Lamisil®)

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Mitteilungen: „Aus der UAW-Datenbank“ – Psychiatrische Reaktionen nach Terbinafin (Lamisil®)

Dtsch Arztebl 2006; 103(50): A-3432 / B-2988 / C-2870

Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft

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LNSLNS Terbinafin (zum Beispiel Lamisil®) ist ein Mittel gegen durch Dermatophyten verursachte Onychomykosen. Ebenso ist es indiziert bei schweren therapieresistenten Pilzinfektionen der Füße (Tinea pedis) und des Körpers (Tinea corporis), die durch Dermatophyten verursacht werden und durch eine äußerliche Therapie nicht ausreichend behandelbar sind.
Von Terbinafin wurden im Jahr 2005 7,6 Mio. DDD verordnet, entsprechend einem Verordnungsrückgang von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr (1).
Der AkdÄ wurden mehrere Fälle berichtet, in denen es unter der Therapie mit Terbinafin zu psychischen Reaktionen kam. Im ersten Fall (AkdÄ-Nr. 141.971) handelte es sich um eine 24-jährige Patientin, bei der es nach einer zehntägigen Behandlung zu ausgeprägten Konzentrationsstörungen und zu einer psychomotorischen Verlangsamung kam. Vier Tage nach Absetzen des Präparates war die Patientin wieder beschwerdefrei.
In einem anderen Fall (AkdÄ-Nr. 141.953) erhielt eine Patientin für elf Tage Terbinafin und berichtete dann über eine gedrückte Stimmung und Suizidgedanken. Die Füße fühlten sich „wie Gummi“ an. Ärztlich wurde eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert. Die Patientin lehnte eine antidepressive Behandlung ab, der weitere Verlauf ist nicht bekannt.
In einem dritten Fall (AkdÄ-Nr. 141.190) traten bei einer 54-jährigen Patientin nach sieben Tagen Terbinafin-Behandlung Nachtschweiß, Unruhe und Depressionen auf. Drei Tage nach Absetzen der Tabletten kam es zur Rückbildung der Symptome.
Im deutschen Spontanmeldesystem (gemeinsame Datenbank von BfArM und AkdÄ, Stand: Mai 2006) sind 945 Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen nach Gabe von Terbinafin erfasst. Hiervon beziehen sich 58,7 Prozent auf UAW im Bereich von Haut- und Hautanhangsgebilden, gefolgt von gastrointestinalen und inklusive hepatischen Störungen mit 55,1 Prozent und Erkrankungen des Nervensystems mit 52,2 Prozent. Psychiatrische Störungen werden mit 6,9 Prozent dagegen vergleichsweise selten berichtet. Darunter werden unter anderem fünfmal Depression bzw. depressive Verstimmung genannt, dreimal Angststörungen, je zweimal Panikreaktion, Unruhezustände und Suizidversuch. Die der AkdÄ gemeldeten UAW sind offenbar keine Einzelfälle. In der Fachinformation (2) werden diese UAW allerdings nicht aufgeführt.
Bitte teilen Sie der AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit. Sie können dafür den in regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt auf der vorletzten Umschlagseite abgedruckten Berichtsbogen verwenden oder diesen aus der AkdÄ-Internetpräsenz www.akdae.de abrufen.
Literatur
1. Schwabe U, Paffrath P (Hrsg.): Arzneiverordnungs-Report 2006. Springer Medizin Verlag Heidelberg 2007.
2. Fachinformation Lamisil® 250 mg Tabletten, Stand: Februar 2005.
Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Herbert-
Lewin-Platz 1, 10623 Berlin, Postfach 12 08 64, 10598 Berlin,
Telefon: 0 30/40 04 56-5 00, Fax: 0 30/40 04 56-5 55, E-Mail: info
@akdae.de, Internet: www.akdae.de
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