ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2006Antiphlogistika: Auswahl nach strenger Risikoabwägung

PHARMA

Antiphlogistika: Auswahl nach strenger Risikoabwägung

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Antiphlogistika, wie traditionelle nichtsteroidale Antirheumatika (tNSAR) und Coxibe, sind Mittel der Wahl bei rheumatoiden Bewegungsschmerzen – nach Abwägung der damit verbundenen Risiken. Die europäische Arzneimittelbehörde EMEA hat daher veranlasst, dass die Fachinformationen der tNSAR um Kontraindikationen und Warnhinweise zu gastrointestinalen und kardiovaskulären Nebenwirkungen ergänzt werden.
Wie Dr. Wolfgang Bolten (Wiesbaden) erläuterte, sind tNSAR bei Patienten mit erhöhtem gastrointestinalen Risiko kontraindiziert. Aktive oder rezidivierende Ulcera in der Anamnese, Alter über 65 Jahre, schwere Allgemeinerkrankungen sowie die gleichzeitige Einnahme von Corticoiden oder Gerinnungshemmern seien daher klare Indikationen für die Coxibe.
Schwierig wird es allerdings bei Rheuma-Patienten mit gleichzeitiger Herzinsuffizienz: Bei schweren Formen sind laut EMEA sowohl tNSAR als auch Coxibe kontraindiziert. Auch wenn ein Patient einen COX-Hemmer bisher gut vertragen hat, „wird diese Therapie dann wohl nicht fortgesetzt werden können“, sagte Bolten. In die Fachinformationen soll generell ein Passus aufgenommen werden, wonach die Therapie mit Antiphlogistika in möglichst niedriger Dosis über einen möglichst kurzen Zeitraum – also bedarfsgerecht – erfolgen soll.
Etoricoxib ist auch beim akuten Gichtanfall indiziert
Durch den Einsatz der Coxibe anstelle von tNSAR werde die Komplikationsrate am oberen und unteren Gastrointestinaltrakt um mehr als 50 Prozent verringert, erläuterte der Referent. Ihre Wirkung auf Arthrose- und Arthritis-bedingte Schmerzen sei dabei mindestens vergleichbar, betonte Prof. Klaus Krüger (München). Etoricoxib (Arcoxia®) könnte in dieser Gruppe eine Sonderstellung einnehmen, denn die Substanz zeigte in einer der Studien bei rheumatoider Arthritis und in einer Untersuchung bei Spondylitis-Patienten eine höhere Wirksamkeit als Naproxen.
Als einziger Vertreter der Coxibe ist Etoricoxib auch zur Behandlung des akuten Gichtanfalls zugelassen. In einer Vergleichsstudie konnte mit 120 mg täglich ein gleich guter Effekt auf die Symptomatik wie bei Gabe von 50 mg Indometacin dreimal täglich nachgewiesen werden – bei besserer Verträglichkeit, betonte Krüger.
Etoricoxib zeichnet sich durch eine schnell – innerhalb von vier Stunden – einsetzende Wirkung aus und muss nur einmal täglich eingenommen werden. Bei Arthrose sei eine Dosierung von 60 mg äquipotent zu Diclofenac (50 mg dreimal täglich), bei rheumatoider Arthritis sei mit 90 mg ein vergleichbar guter Effekt wie mit Naproxen (2 × 500 mg) dokumentiert, erklärte der Experte. Bei Kontraindikationen gegen Antiphlogistika – etwa bei vorliegender Niereninsuffizienz – ist Tilidin-Naloxon laut Aussage von Krüger wissenschaftlich geprüft; bei entzündlichen Grunderkrankungen kann das Analgetikum mit Corticoiden kombiniert werden.
Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

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