ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2006Widerstand gegen die Gesundheitsreform: Helle Kittel, düstere Prognose

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Widerstand gegen die Gesundheitsreform: Helle Kittel, düstere Prognose

Rieser, Sabine; EB

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LNSLNS Geiz macht krank – unter dieser Überschrift protestierte die KBV sechs Wochen lang. Abschluss: eine Kleideraktion mit Hintersinn

Rosig gekleidet sind nur die Helfer, rosig ist die Stimmung der niedergelassenen Ärzte nicht: Kittelprotest in Berlin.
Rosig gekleidet sind nur die Helfer, rosig ist die Stimmung der niedergelassenen Ärzte nicht: Kittelprotest in Berlin.
Mehr als 12 000 Mediziner sind wegen schlechter werdender Arbeitsbedingungen schon ins Ausland abgewandert. Kommt die Gesundheitsreform wie geplant, werden noch mehr Kollegen ihre Kittel an den Nagel hängen“, warnt Dr. med. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), am 14. Dezember in Berlin. Dann hängt er selbst einen letzten Kittel vor dem Reichstag auf, dort, wo in der Winterkälte rund 150 junge Leute Seite an Seite an langen Balken Kittel neben Kittel präsentieren – stellvertretend für die, die sie gespendet haben, wie im Rahmen der Pressekonferenz unmissverständlich angemerkt wird.
Es ist nicht einmal genug Platz für alle weißen Kleidungsstücke. In einem großen Reisebus auf der Straße zum Reichstag stapeln sich etliche Pakete mit weiteren Spendenstücken. Denn bundesweit haben Ärztinnen und Ärzte zahlreich Kittel geschickt, insgesamt rund 12 000.
Aufrütteln im Rahmen von „geizmachtkrank“
„Wir möchten damit an prominenter Stelle ein Mahnmal errichten, um auf die Kollegen aufmerksam zu machen, die unser Land aus wirtschaftlichen Gründen bereits verlassen haben“, hatte die KBV zuvor geworben. Die gespendeten Kittel werden nun der Hilfsorganisation ONG Solidarität International für Westafrika übergeben, die damit unter anderem ein Krankenhaus in Benin ausstatten wird.
Aus Überzeugung gibt er einen Kittel ab, aber noch lange nicht auf: Dr. med. Andreas Köhler, KBV-Vorstand. Fotos: Georg J. Lopata
Aus Überzeugung gibt er einen Kittel ab, aber noch lange nicht auf: Dr. med. Andreas Köhler, KBV-Vorstand. Fotos: Georg J. Lopata
Die Kittelaktion ist für die KBV Höhepunkt und Abschluss der Kampagne „Geiz macht krank“. Innerhalb von sechs Wochen wurden mehrere spektakuläre Aktionen angesetzt, um die Bevölkerung wachzurütteln und vor den Folgen der geplanten Gesundheitsreform zu warnen. Dazu gehörten das mit 40 Meter langen Buchstaben auf einer Fläche von rund 70 000 Quadratmetern längste Feldposter der Welt in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens, eine Comedy-Schauspieltruppe, die zwei Wochen lang durch Deutschlands Städte reiste, sowie ein Truck mit 5 000 Protestunterschriften von Bürgern auf den Lkw-Planen. Zusätzlich wurde die Internetseite www.geizmachtkrank.com eingerichtet. Diese klickten in den letzten Wochen nach Angaben der KBV mehr als 250 000 Interessierte an.
Bittere Pillen für die Bürger als Warnung vor der Reform
Köhler erinnerte vor dem Reichstag daran, dass man die Bürger zusätzlich über Zeitungen, Zeitschriften und das Fernsehen erreicht habe. Poster und Dosen mit bitteren Reformpillen hätten für eine weitere Verbreitung der Protestbotschaft gesorgt. „Die Regierung beendet die chronische Unterfinanzierung nicht, sondern lässt das System ausbluten. Das müssen die Patienten wissen“, betonte der KBV-Vorstand.
Die Bundesregierung forderte Köhler erneut auf, Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen zu schaffen, „die allen Patienten auch zukünftig eine gute Behandlung und die Teilhabe am medizinischen Fortschritt sichern“.
Rie/EB
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