ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2006Frühgeborene an der Grenze der Lebensfähigkeit: Valide Datenbasis muss geschaffen werden

MEDIZIN: Diskussion

Frühgeborene an der Grenze der Lebensfähigkeit: Valide Datenbasis muss geschaffen werden

Poets, Friedrich

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LNSLNS Wir danken den Autoren, das Augenmerk der Leser auf diese zwar kleine, aber hohen Risiken ausgesetzte Patientengruppe gelenkt zu haben. Es ist erstaunlich, dass es in einem so hoch entwickelten Gesundheitssystem wie dem deutschen keine validen Daten zu dieser Hochrisikogruppe gibt. Allein der Zugriff auf Daten aus der Qualitätssicherung ermöglicht erste regionale evidenzbasierte Aussagen.
Wir fanden kürzlich ein um 80 Prozent erhöhtes Risiko für Frühgeborene (24 bis 30 Wochen), die vorwiegend auf kleinen Frühgeborenenintensivstationen (< 36 Aufnahmen von Kindern <1500g/Jahr) versorgt wurden (1). Genzel-Boroviczény et al. zitieren eine Studie, die keine Assoziation zwischen Klinikgröße und Outcome fand (2); kleine Kliniken waren jedoch unterrepräsentiert. Dies verdeutlicht, wie notwendig populationsbasierte Daten sind. Analysen einzelner Kliniken können der Qualitätssicherung und -optimierung dienen, nicht jedoch Schwächen von Gesundheitssystemstrukturen aufdecken. Fallzahlen sind zwar nur ein Surrogatparameter, bieten aber erste Ansätze, um notwendige Strukturveränderungen zu erkennen.
Obgleich der medizinische Fortschritt in der Perinatalmedizin im letzten Jahrzehnt immens war, ist die perinatale Sterblichkeit nicht wesentlich gesunken. Es müssen also weitere Ursachen und Verbesserungsmöglichkeiten evaluiert werden. Wir denken, dass die Analyse der Versorgungsstrukturen und eine Langzeitbeobachtung dieser Patienten eine essenzielle Zukunftsaufgabe für Ärzte, Gesundheitssystemwissenschaftler, Epidemiologen und Politiker sein muss.
Voraussetzung hierfür ist eine deutschlandweite Datenbasis mit validen Peri- und Neonatal- sowie Nachuntersuchungsdaten. Ein Krebsregister ist in Deutschland selbstverständlich – warum nicht auch ein Register für sehr kleine Frühgeborene, die zum Teil mit noch höheren Risiken behaftet sind?

Dr. rer. biol. hum. Dorothee B. Bartels, M.Sc.Epi.
Medizinische Hochschule Hannover
Abteilung Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung
Carl-Neuberg-Straße 1, OE 5410
30625 Hannover

Prof. Dr. med. Christian Friedrich Poets
Universitätsklinikum Tübingen
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Abteilung Neonatologie
Calwerstraße 7, 72076 Tübingen
1.
Bartels DB, Wypij D, Wenzlaff P, Dammann O, Poets CF: Hospital volume and neonatal mortality among very low birth weight infants. Pediatrics 2006; 117: 2206–14. MEDLINE
2.
Horbar JD, Badger GJ, Lewit EM, Rogowski J, Shiono PH. Hospital and patient characteristics associated with variation in 28-day mortality rates for very low birth weight infants. Vermont Oxford Network. Pediatrics 1997; 99: 149–56. MEDLINE
1. Bartels DB, Wypij D, Wenzlaff P, Dammann O, Poets CF: Hospital volume and neonatal mortality among very low birth weight infants. Pediatrics 2006; 117: 2206–14. MEDLINE
2. Horbar JD, Badger GJ, Lewit EM, Rogowski J, Shiono PH. Hospital and patient characteristics associated with variation in 28-day mortality rates for very low birth weight infants. Vermont Oxford Network. Pediatrics 1997; 99: 149–56. MEDLINE

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