ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2006Josef Stockhausen †: „Stocki“ war ein Kämpfer

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Josef Stockhausen †: „Stocki“ war ein Kämpfer

Dtsch Arztebl 2006; 103(51-52): A-3495 / B-3045 / C-2921

Jachertz, Norbert

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Josef Stockhausen. Foto: Archiv/W. Neusch
Josef Stockhausen. Foto: Archiv/W. Neusch
Die miserablen Arbeitsbedingungen der jungen Ärzte und deren Abhängigkeit von chefärztlichem Wohlwollen trieben den Jungarzt Dr. med. Josef Stockhausen in die Berufspolitik. 1946 gründete er mit Gleichgesinnten in Westfalen einen Assistenzarztverband, eine Keimzelle des 1947 entstandenen Marburger Bundes. Abhängig zu sein war Stockhausens Sache nie. Für ihn war der Arztberuf tatsächlich von Natur aus ein freier Beruf. Er selbst verbrachte zwar die wichtigsten Jahre seines Berufslebens in abhängiger Stellung, bei der Arbeitsgemeinschaft der westdeutschen Ärztekammern, der späteren Bundes­ärzte­kammer, von 1951 bis 1955 als Geschäftsführender Arzt und, nach dem plötzlichen Tode von Karl Haedenkamp, bis 1974 als Hauptgeschäftsführer. Doch er handelte nach seinem eigenen Kopf. Das führte gelegentlich dazu, dass ihn die ehrenamtlichen, gewählten Repräsentanten an die Kleiderordnung erinnerten, und schließlich zu seinem nicht ganz freiwilligen Abschied mit 56 Jahren. Seine überragenden Leistungen zählten da nicht. Die wurden dann aber doch 1980 mit der Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft gewürdigt.
Die Jahre als Hauptgeschäftsführer waren Stockhausens große Zeit. Er hatte wesentlichen Anteil am Aufbau der ärztlichen Selbstverwaltung, anfangs in Bad Nauheim, dann in Köln. Bei aller Liebe zum Marburger Bund (MB) und trotz früher Verbindungen zum Hartmannbund (HB) achtete er argwöhnisch darauf, die Bundes­ärzte­kammer und vor allem die Deutschen Ärztetage als die Spitze der Selbstverwaltung zu positionieren. Die Verbände, nicht nur MB und HB, wurden gleichwohl eingebunden, personell durch ein enges Netzwerk der Beziehungen und institutionell mithilfe des Präsidiums des Deutschen Ärztetages und – zur Abwehr ungeliebter politischer Vorhaben wie etwa des Blankschen Reformpakets – mit Aktionsgemeinschaften.
Die großen Themen der ersten Jahre hat Stockhausen mit formuliert, und er hat mit dafür gesorgt, dass sie in Politik umgesetzt wurden, vom Kassenarztrecht über die Einbindung der misstrauisch beäugten Deutschen in den Weltärztebund bis hin, gegen Ende seiner Amtszeit, zur Einführung der programmierten Früherkennung. Besonders am Herzen lag Stockhausen die ärztliche Fortbildung, für ihn kulminierend in der Kongressfortbildung. Die Glanzeit der internationalen Kongresse der Bundes­ärzte­kammer in Davos und Badgastein, Grado, Meran und Montecatini fiel in Stockhausens Ära. Die Kongresse vermittelten Wissen wie Kontakte und weiteten früh den Blick nach Europa. Nach seinem Abgang aus der Bundes­ärzte­kammer setzte Stockhausen diesen Weg fort, diesmal, bis 1991, im Dienst des Berufsverbandes der Internisten.
Josef Stockhausen war bekennender Westfale; am 1. Februar 1918 wurde er in Elspe geboren. Er studierte Medizin in Gießen, Jena, Frankfurt/Main, Innsbruck und Düsseldorf, wo er zum Dr. med. promovierte. 1944 und 1945 war er als Sanitätsoffizier eingezogen und wurde hoch dekoriert. 1945 bis 1950 bildete er sich zum Internisten weiter. 1968 wurde er Honorarprofessor in Marburg.
Stockhausens Stärken waren scharfe Analyse und Leidenschaft für Politik, eine seltene Kombination. Schattenseite seiner Leidenschaft war sein Zorn. Und doch – Stocki, wie ihn alle nannten, konnte mit überwältigender Liebenswürdigkeit Freunde und, wenn nötig, auch Gegner umgarnen. Seine Frau Anne, gleichfalls Ärztin, die ihn durch dick und dünn begleitete, hielt ihn zeitlebens für einen richtig tollen Mann. Ja, das war er. Stocki starb am 7. Dezember in Köln.
Norbert Jachertz
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