ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2006Studie zur Funktionellen MRT: Bessere Diagnostik von Hirntumoren

TECHNIK

Studie zur Funktionellen MRT: Bessere Diagnostik von Hirntumoren

Dtsch Arztebl 2006; 103(51-52): A-3501 / B-3050 / C-2926

EB

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LNSLNS Bei der Diagnostik von Hirntumoren versagen herkömmliche bildgebende Verfahren häufig: Ob eine Signalveränderung in der Kernspintomographie auf ein aggressives Glioblastom oder auf die Absiedlung eines noch nicht entdeckten Tumors zurückzuführen ist, lässt sich oft nicht sicher sagen. Auch entartete Zellen des Lymphsystems siedeln sich gelegentlich im Gehirn an und sind schwer von anderen Tumoren zu unterscheiden. Ebenfalls ungenügend gelingt die Abgrenzung der aggressiven von weniger bösartigen Gliomen.
Radiologen des Deutschen Krebsforschungszentrums haben gemeinsam mit Ärzten aus den Universitätskliniken Heidelberg geprüft, ob funktionelle Magnetresonanz(MR)-Techniken eine präzisere Diagnosestellung ermöglichen als herkömmliche bildgebende Techniken. Funktionelle MR-Methoden stellen bestimmte physiologische Funktionen oder Gewebeparameter bildlich dar. In ihrer Untersuchung verglichen die Ärzte die MR-Spektroskopie, die die Verteilung tumorspezifischer Stoffwechselprodukte innerhalb des Gewebes sichtbar macht, mit verschiedenen Methoden, die die Perfusion des Gewebes darstellen. 79 Patienten, bei denen eine CT-Untersuchung den Verdacht auf einen Hirntumor begründet hatte, nahmen an der Studie teil. Ihnen wurden aus den verdächtigen Arealen Gewebeproben entnommen und die Ergebnisse der funktionellen MR-Techniken mit den histologischen Befunden abgeglichen.
Die Studie ergab, dass bei der Diagnose von Hirntumoren die Messung der Durchblutung dem Nachweis tumorspezifischer Stoffwechselprodukte in der Aussagekraft überlegen ist. So lassen sich Glioblastome über ihre stärkere Durchblutung mit großer Sicherheit von den schwach durchbluteten Lymphomen abgrenzen. Um Zellabsiedlungen aus Tumoren anderer Organe von Glioblastomen zu unterscheiden, hilft ein Blick auf die Gewebezone direkt um den Tumor. Der Gewebesaum, der Metastasen umgibt, ist deutlich weniger durchblutet als das Areal um Glioblastome. Auch die Differenzialdiagnose von höher- und niedergradigen Gliomen gelingt über die Messung der Gewebeperfusion besser als über die gängige Bildgebung.
Von diesen Unterscheidungen hängt das weitere therapeutische Vorgehen ab. Die frühzeitige Einordnung einer Gehirnläsion entscheidet zum Beispiel darüber, ob der Patient vor einer Gewebebiopsie bestimmte Medikamente wie Glucocorticoide einnehmen darf oder ob nach der Operation eine weitere Strahlen- oder Chemotherapie sinnvoll ist. Trotzdem können aber die nichtinvasiven MR-Untersuchungen eine Gewebeuntersuchung des Tumors zur Absicherung des Befunds nicht ersetzen. EB
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