ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2006Priorix-Tetra: Vierfachvakzine erhöht Durchimpfungs-Chance

PHARMA

Priorix-Tetra: Vierfachvakzine erhöht Durchimpfungs-Chance

Dtsch Arztebl 2006; 103(51-52): A-3502

Bischoff, Angelika

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LNSLNS Persönliche Überzeugung und Freiwilligkeit bestimmen in Deutschland immer noch, ob ein Kind gegen die wichtigen Kinderkrankheiten geimpft wird. In den USA bekommt kein Kind Zutritt zur Schule, das nicht vollständig durchgeimpft ist. Der Erfolg gibt dieser Pflichtstrategie recht. In den USA gibt es zum Beispiel keine Masern mehr.
Deutschland zählt zu den Ländern mit der höchsten Masern-Morbidität und damit zu den Quellen, aus denen die Infektion auch in andere Länder eingeschleppt wird. Der Deutsche Ärztetag habe in diesem Jahr gefordert, dass die Pflichtimpfung von Kindern gegen Masern eingeführt wird, betonte Dr. Johannes Liese (München) in München.
Erhöhte Komplikationen bei jungen Erwachsenen
Masern sind zwar auch bei uns dank zunehmender Verbreitung der Impfung nicht mehr endemisch, treten aber immer wieder in Form von Ausbrüchen auf. Betroffen sind in erster Linie ungeimpfte Kinder. Was auch Impfgegner davon abbringen müsste, die natürliche Immunisierung seiner Kinder auf „Masern-Partys“ zu bevorzugen, ist, dass das Komplikationsrisiko nach natürlicher Infektion um ein Vielfaches höher liegt als nach Impfung.
Ein gefährlicher Trend, der bei allen sogenannten Kinderkrankheiten zu beobachten ist: Mit Abnahme der Ansteckungsmöglichkeiten im Kindesalter verschiebt sich die Infektion stärker in das Jugend- oder frühe Erwachsenenalter, in dem das Komplikationsrisiko höher ist. So tritt zum Beispiel ein Drittel der Mumps-Infektionen bei Personen auf, die älter als 20 Jahre sind. In diesem Alter erkrankt ein Viertel der Betroffenen an Orchitis.
Die Durchimpfungsrate gegen Röteln beträgt in Deutschland 80 bis 90 Prozent für die erste Injektion. Sie fällt auf 30 bis 50 Prozent für die zweite Impfung. Nicht nur Mädchen, sondern alle Kinder sollten heute gegen Röteln geimpft werden. Denn auch ungeimpfte Jungen bedeuten eine potenzielle Infektionsgefahr für ungeschützte Schwangere, der sie nicht immer aus dem Wege gehen können, weil viele Rötelninfektionen asymptomatisch verlaufen.
Ein wesentlicher Vorteil von Kombinationsimpfstoffen besteht darin, dass man damit die Zahl der verpassbaren Gelegenheiten minimiert. Dies erhöht nachweislich die Durchimpfungsrate, wie die Erfahrung mit der Sechsfachimpfung zeigt. Der vielfach geäußerten Angst von Eltern, das Immunsystem ihres Kindes würde überfordert, kann man sehr gut entgegenhalten, dass die Zahl der Antigene in modernen Kombinationsimpfstoffen deutlich niedriger liegt als zum Beispiel bei der früheren Ganzkeim-Pertussis-Vakzine.
Mit Priorix Tetra® steht der erste Vierfachimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (MMRV) in Deutschland zur Verfügung. Der neue Impfstoff ist zugelassen ab neun Monaten. Es werden zwei Dosen im Abstand von sechs Wochen verabreicht. Der erste Zulassungsantrag war von dem Hersteller Glaxo vor knapp zwei Jahren zurückgezogen worden, weil sich herausstellte, dass die Mumps-Immunogenität bei der Kombinationsvakzine zumindest nach der ersten Injektion geringer war als bei der gesonderten MMR-Impfung.
Kombinationsvakzine zeigt überlegene Immunogenität
Nachdem die Mumpskomponente erhöht worden war, zeigte die Kombinationsvakzine sogar eine überlegene Immunogenität, wie Prof. Volker Schuster (Leipzig) mitteilte. Auch bei allen anderen Komponenten des Impfstoffs war die Immunogenität mindestens so gut wie beim etablierten MMR(Priorix®)- beziehungsweise Varizellenimpfstoff (Varilrix®). Der neue Impfstoff hat sich dabei als geringfügig systemisch und lokal reaktogener erwiesen.
Dr. med. Angelika Bischoff

Launch-Pressekonferenz „Der 1. MMRV-Impfstoff in Deutschland: Priorix Tetra®" in München, Veranstalter GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
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