ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2007Vorsorge-Koloskopie: Nutzen-Risiko-Verhältnis bei über 80-Jährigen fraglich

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Vorsorge-Koloskopie: Nutzen-Risiko-Verhältnis bei über 80-Jährigen fraglich

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LNSLNS Die derzeit gültigen Krebsvorsorge-Richtlinien empfehlen eine Vorsorge-Koloskopie ab dem 55. Lebensjahr, die alle zehn Jahre wiederholt werden sollte. Es wird diskutiert, ob nicht eine einmalige Untersuchung um das 55. Lebensjahr herum ausreicht, um das Kolonkarzinomrisiko deutlich zu senken. US-amerikanische Autoren berichten über die Ergebnisse einer Screening-Koloskopie bei 1 244 asymptomatischen Patienten, die in drei Altersgruppen unterteilt wurden, und zwar in Gruppe 1 (Alter: 50 bis 54 Jahre), Gruppe 2 (75 bis 79 Jahre) und Gruppe 3 (über 80 Jahre). Die Prävalenz von Kolonneoplasien lag in Gruppe 1 bei 13,8 Prozent, in Gruppe 2 bei 26,5 Prozent und in Gruppe 3 bei 28,6 Prozent.
Berücksichtigt man die Verlängerung der Lebenserwartung durch die Vorsorgekoloskopie, so lag diese in Gruppe 1 bei 0,89 Jahren, in Gruppe 3 nur noch bei 0,13 Jahren. Da im Hinblick auf die durchschnittliche Lebenserwartung bei alten Menschen nur noch ein kleiner Teil der entdeckten Kolonadenome maligne entarten dürften, stellen die Autoren die genannte Leitlinien infrage. Darüber hinaus sollte bebrücksichtigt werden, dass die Darmvorbereitung und die Untersuchung selbst bei über 80-Jährigen als belastend einzustufen sind. w

OS Lin et al.: Screening colonoscopy in very elderly patients. JAMA 2006; 295: 2357–65. E-Mail: Otto.Lin@avmmc.org

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