ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2007Prävention nosokomialer Legionellosen: Wissenschaftliche Auseinandersetzungen fehlen

MEDIZIN: Diskussion

Prävention nosokomialer Legionellosen: Wissenschaftliche Auseinandersetzungen fehlen

Dtsch Arztebl 2007; 104(1-2): A-41 / B-39 / C-37

Kappstein, Ines

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LNSLNS Eckmanns et al. empfehlen zur Prävention von Legionellosen in Risikobereichen unter anderem die Verwendung endständiger Wasserfilter.
Der Einsatz von Wasserfiltern an Wasserhähnen und Duschen lässt sich aus wissenschaftlicher Sicht jedoch nicht ausreichend begründen. Die Empfehlung kann aus diesem Grund nicht mit dem CDC-Evidenzgrad IB belegt werden wie in Tabelle 4 und 5 des Artikels, sondern nur mit „unresolved issue“ („No recommendation is offered. No consensus or insufficient evidence exists regarding efficacy“) (1).
Einer Untersuchung von Vonberg et al. zufolge waren 2,8 Prozent der Proben von gefiltertem Wasser mit Legionellen kontaminiert (2). Hinzu kommt, dass die Unterseite des Filters retrograd kontaminiert werden kann (Hinweis eines Wasserfilterherstellers nach Auftreten von zwei nosokomialen Legionellosen bei Patienten auf Risikostationen, deren Wasserstellen mit Einmal-Filtern ausgestattet waren und bei denen im gefilterten Wasser Legionellen nachgewiesen wurden).
Bei der Empfehlung zur Verwendung von Wasserfiltern bleiben zudem Risikopatienten außerhalb von Risikobereichen unberücksichtigt, weil viele, zum Beispiel organtransplantierte Patienten mit Abstoßungsreaktion, auf Normalstationen versorgt werden. Außerdem müssen diese Patienten wiederholt wegen diagnostischer Maßnahmen ihren durch Filter „geschützten“ Bereich verlassen und erhalten Leitungswasser zum Beispiel für Röntgenuntersuchungen mit Kontrastmittel oder bei Durst einfach nur zum Trinken.
Bisher fehlt eine wissenschaftliche Auseinandersetzung über die tatsächliche Effektivität von Wasserfiltern bei der Prävention von Legionellosen. Anlass, haftungsrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen, wenn sporadische Legionelleninfektionen auftreten und keine Wasserfilter installiert sind, gibt es nicht, denn Empfehlungen für deren Einsatz, die annähernd Leitlinienqualität besitzen, sind definitiv nicht vorhanden. Entsprechende Forderungen von Amtsärzten mit Bezug auf das Arbeitsblatt W 551 der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW), eines Vereins für Vertreter der Wassertechnik, der seine fachlichen Berater nicht nennen will, ersetzen die fehlenden Leitlinien jedenfalls nicht.

Prof. Dr. med. Ines Kappstein
Krankenhaushygiene
Kreiskliniken Traunstein - Trostberg GmbH
Cuno-Niggl-Straße 3
83278 Traunstein
E-Mail: ines.kappstein@klinikum-traunstein.de

Interessenkonflikt
Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Centers for Disease Control and Prevention and the Healthcare Infection Control Practices Advisory Committee (HICPAC). Guidelines for environmental infection control in health-care facilities. MMWR 2003; 52 (RR-10): 1–42.
2.
Vonberg RP, Eckmanns T, Bruderek J, Rüden H, Gastmeier P: Use of terminal tap water filter systems for prevention of nosocomial legionellosis. J Hosp Infect 2005; 60: 159–62. MEDLINE
1. Centers for Disease Control and Prevention and the Healthcare Infection Control Practices Advisory Committee (HICPAC). Guidelines for environmental infection control in health-care facilities. MMWR 2003; 52 (RR-10): 1–42.
2. Vonberg RP, Eckmanns T, Bruderek J, Rüden H, Gastmeier P: Use of terminal tap water filter systems for prevention of nosocomial legionellosis. J Hosp Infect 2005; 60: 159–62. MEDLINE

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