ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2007Prävention nosokomialer Legionellosen: Präventionskonzept vermisst

MEDIZIN: Diskussion

Prävention nosokomialer Legionellosen: Präventionskonzept vermisst

Dtsch Arztebl 2007; 104(1-2): A-42 / B-40 / C-38

Grummt, Hans-Jürgen

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LNSLNS Der Artikel präsentiert kein umfassendes Präventionskonzept nosokomialer Legionellosen, das dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik entspricht, und spiegelt nicht die in Europa und Deutschland von der WHO vorgegebenen und in gesetzlichen Bestimmungen geregelten Strategien wider.
Die alleinige Surveillance von Legionellen-Pneumonien wird nicht zur Verhinderung nosokomialer Legionellosen führen, da Surveillance immer nur reaktiv ist und trotz bestehender Meldepflicht nur ein Bruchteil der auftretenden Legionellosen erfasst. Die Aussage, dass „bei hoher Aufmerksamkeit für Legionellosen gilt: Nur wenn Legionellosen aufgetreten sind, müssen technische Maßnahmen ergriffen werden“, bagatellisiert ein beherrschbares Risiko und vernachlässigt das Prinzip der Primärprävention.
Die Verfasser stützen sich in diesem Punkt auf die kontroll- statt präventionsorientierten US-amerikanischen CDC-Guidelines, die hinsichtlich der Legionellosekontrolle selbst in den USA einer erheblichen Kritik ausgesetzt sind.
In Europa und Deutschland gilt das Prinzip der Primärprävention durch geeignete betrieblich-technische Maßnahmen und hygienisch-mikrobiologische Kontrollen der Legionellenkonzentrationen, wodurch die Rate nosokomialer Legionellosen drastisch abgesenkt werden konnte.
Gemäß EG-Trinkwasserrichtlinie und Trinkwasserverordnung dürfen im Trinkwasser Krankheitserreger (einschließlich Legionellen) nicht in Konzentrationen enthalten sein, die eine Schädigung der menschlichen Gesundheit besorgen lassen. Desinfektionsmaßnahmen, von den Verfassern ausführlich thematisiert, können die erforderlichen betrieblich-technischen Maßnahmen im Hausinstallationssystem zur Prävention einer Legionellenkontamination nicht ersetzen; die prophylaktische Desinfektion des Trinkwassers in Hausinstallationssystemen widerspricht zudem dem Minimierungsgebot der Trinkwasserverordnung.
Dem Betreiber einer Hausinstallation werden durch den Artikel falsche Strategien und eine falsche Sicherheit vorgegeben, die für ihn im Fall des Auftretens von Legionelleninfektionen mit erheblichen rechtlichen Konsequenzen verbunden sein werden. Insofern besteht eine Verpflichtung, auf die vorgenannten Aspekte hinzuweisen.

Dr. rer. nat. Hans-Jürgen Grummt
Geschäftsführung der Trinkwasserkommission
des Bundesministeriums für Gesundheit beim
Umweltbundesamt
Dienstgebäude Bad Elster
Heinrich-Heine-Straße 12
08606 Bad Elster

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt imSinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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