szmtag Prävention nosokomialer Legionellosen: Schlusswort
ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2007Prävention nosokomialer Legionellosen: Schlusswort
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LNSLNS Mit unserem Beitrag wurde versucht, das oft heftig diskutierte Thema, welche konkreten Präventionsmaßnahmen in der Klinik notwendig sind, sachlich darzustellen und einen Mittelweg zwischen nicht realisierbaren Maximalforderungen und Verharmlosungen zu finden. In den Leserbriefen wird der Artikel von zwei Seiten kritisiert. Frau Kappstein stellt die Empfehlung zum Einsatz von endständigen Wasserfiltern mit dem CDC-Evidenzgrad IB infrage. In mehreren neuen veröffentlichten Studien wurden endständige Filter untersucht (24). Alle Studien zeigen eine nachhaltige Reduktion von Legionellen nach den Filtern und in keiner Studie ist bei Patienten, die Wasser aus einem Wasserhahn mit Filter benutzten, eine Legionellose aufgetreten. Diese Evidenz rechtfertigt den Einsatz mit Evidenzgrad IB zu empfehlen.
Im zweiten Leserbrief von Herrn Grummt als Vertreter einer Trinkwasserkommission wird bemängelt, unser Beitrag basiere auf den „Centers for Disease Control and Prevention“(CDC-)Empfehlungen, die eher kontroll- als präventionsorientiert seien. Der Ärzteblattartikel präsentiere daher kein umfassendes Präventionskonzept, er stütze sich allein auf Surveillance und würde das beherrschbare Problem bagatellisieren.
Das dargestellte Konzept ist nicht umfassend. Es soll eine Hilfe darstellen, mit dem Problem eines Nachweises von Legionellen im Trinkwasser eines Krankenhauses und dem Auftreten von Legionellosen umzugehen. Surveillance ist nicht hinreichend aber absolut notwendig für einen adäquaten Umgang mit Legionellen im Krankenhaus. Da Surveillance die Grundlage vieler präventiver Maßnahmen ist, die ohne Surveillance nicht eingeführt werden würden, ist sie die Basis eines präventionsorientierten Konzeptes.
Es ist in der Literatur nicht belegt, dass „geeignete betrieblich-technische Maßnahmen und hygienisch-mikrobiologische Kontrollen“ grundsätzlich die Rate nosokomialer Legionellosen drastisch senken konnten. Dagegen stützen sich die Empfehlungen der CDC auf publizierte Studienergebnisse in „peer reviewed Journals“ und sind damit evidenzbasiert.
Weitere Punkte, die Herr Grummt anspricht, sind die Gegenüberstellung von Desinfektionsmaßnahmen und betrieblich-technischen Maßnahmen sowie die Trinkwasserverordnung und rechtliche Konsequenzen aus Legionelleninfektionen. Das Ausspielen von Desinfektionsmaßnahmen gegen technisch-betriebliche Maßnahmen ist für uns nicht nachvollziehbar. Vielmehr haben beide Maßnahmen ihren Platz im Präventionskonzept. In der Trinkwasserverordnung ist in § 4 angegeben, dass Trinkwasser frei von Krankheitserregern sein muss. Die Konzentration an Legionellen, die den Menschen schädigen, ist unbekannt. § 4 der Trinkwasserverordnung kann entsprechend interpretiert werden, dass die Wasserwerkbetreiber legionellenfreies Wasser liefern müssen, letztendlich also die Betreiber mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssten. Dies zeigt, welche Probleme entstehen, wenn es nur um die vermeintlich vollständige Befolgung einer Rechtsvorschrift ohne Berücksichtigung des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes geht.
Jede Maßnahme ist ein Abwägen von Aufwand und Risiko. Der bewusste Umgang mit einem Risiko ist in der Regel sicherer, als die Vorstellung, das Risiko ausschalten zu können.

Dr. med. Tim Eckmanns
Abteilung für Infektionsepidemiologie
Robert-Koch-Institut
Seestraße 10, 13353 Berlin

Interessenkonflikt
Dr. Eckmanns hat Vortragshonorare und Forschungsunterstützung von der Firma Pall erhalten.
1.
Salvatorelli G, Medici S, Finzi G, De Lorenzi S, Quarti C: Effectiveness of installing an antibacterial filter at water taps to prevent Legionella infections. J Hosp Infect 2005; 61(3): 270–1. MEDLINE
2.
Sheffer PJ, Stout JE, Wagener MM, Muder RR: Efficacy of new point-of-use water filter for preventing exposure to Legionella and waterborne bacteria. Am J Infect Control 2005; 33(5 Suppl 1): 20–5. MEDLINE
3.
Vonberg RP, Eckmanns T, Bruderek J, Rüden H, Gastmeier P: Use of terminal tap water filter systems for prevention of nosocomial legionellosis. J Hosp Infect 2005; 60(2): 159–62. MEDLINE
1. Salvatorelli G, Medici S, Finzi G, De Lorenzi S, Quarti C: Effectiveness of installing an antibacterial filter at water taps to prevent Legionella infections. J Hosp Infect 2005; 61(3): 270–1. MEDLINE
2. Sheffer PJ, Stout JE, Wagener MM, Muder RR: Efficacy of new point-of-use water filter for preventing exposure to Legionella and waterborne bacteria. Am J Infect Control 2005; 33(5 Suppl 1): 20–5. MEDLINE
3. Vonberg RP, Eckmanns T, Bruderek J, Rüden H, Gastmeier P: Use of terminal tap water filter systems for prevention of nosocomial legionellosis. J Hosp Infect 2005; 60(2): 159–62. MEDLINE

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