ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2007Infektionsschutz: Regelimpfung gegen Pneumokokken

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Infektionsschutz: Regelimpfung gegen Pneumokokken

Dtsch Arztebl 2007; 104(1-2): A-64

Weiß, Maria

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Um eine vollständige Grundimmunisierung zu erzielen, wird ein altersabhängiges Impfschema empfohlen: Die erste Impfung erfolgt normalerweise im Alter von zwei Monaten; es folgen zwei weitere Dosen mit einem Zeitabstand von jeweils mindestens einem Monat. Die Auffrischimpfung sollte im zweiten Lebensjahr durchgeführt werden. Foto: Wyeth
Um eine vollständige Grundimmunisierung zu erzielen, wird ein altersabhängiges Impfschema empfohlen: Die erste Impfung erfolgt normalerweise im Alter von zwei Monaten; es folgen zwei weitere Dosen mit einem Zeitabstand von jeweils mindestens einem Monat. Die Auffrischimpfung sollte im zweiten Lebensjahr durchgeführt werden.
Foto: Wyeth
Nach den neuesten Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO, Berlin) sollen alle Kinder ab dem zweiten Lebensmonat bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr gegen Pneumokokken geimpft werden. Damit könnten ein Großteil der gefährlichen invasiven Pneumokokkenerkrankungen und ihre Folgeschäden vermieden werden. Nach Einführung der Hämophilus-influenzae-Impfung sei Streptococcus pneumoniae heute der häufigste Erreger schwer verlaufender bakterieller Infektionen im Säuglings- und Kleinkindesalter, sagte Prof. Ralf-René Reinert (Aachen), Leiter des Nationalen Referenzzentrums für Streptokokken, in Berlin.
Ausgangspunkt der Pneumokokkeninfektion ist der besiedelte Nasopharynx des Menschen. Besonders gefürchtet ist die systemische Ausbreitung des Erregers mit Bakteriämie und eitriger Meningitis, die auch heute mit einer Mortalität von sieben bis acht Prozent belastet ist. Bei mehr als 20 Prozent der betroffenen Kinder bleiben schwere Folgeschäden wie beispielsweise ein beidseitiger Hörverlust zurück. Auch zahlreiche Pneumonien und Fälle von Otitis media im Kindesalter gehen auf Pneumokokken zurück.
Ein großer Teil der schwerwiegenden Erkrankungen wäre durch die Impfung vermeidbar. Bereits seit 2001 steht in Europa ein sieben-valenter Kapsel-spezifischer Konjugat-Impfstoff (Prevenar®) zur Verfügung, der bisher aber nur als Indikationsimpfung bei Risikokindern eingesetzt wurde.
Wie erfolgreich eine generelle Impfung aller Kinder sein kann, machte Reinert anhand einiger Zahlen aus den USA deutlich. Bereits im zweiten Jahr nach der Einführung war die Rate an invasiven Pneumokokkeninfektionen bei Kindern um 69 Prozent zurückgegangen. Stärker als erwartet war hierbei die „Herdwirkung“ – das heißt, durch Verhinderung des Trägertums werden auch ungeimpfte Personen geschützt. Dass sich dies nicht nur auf Kinder bezieht, zeigt der Rückgang der invasiven Pneumokokkeninfektionen bei Erwachsenen um 30 Prozent in diesem Zeitraum. „Durch die Impfung der Kinder schützt man auch die Großeltern“, betonte Reinert. Dies sei von großer gesundheitsökonomischer Bedeutung. Ein weiterer positiver Effekt der generellen Impfung sei der Rückgang des Antibiotika-Verbrauchs und damit der resistenten Pneumokokkenstämme.
Kinderärzte, aber auch die Krankenkassen sind jetzt gefordert, die Impfempfehlung in die Praxis umzusetzen. Die gesetzlichen Krankenkassen haben inzwischen alle eine bundesweite Übernahme der Kosten zugesagt. Schon mittelfristig wird die Impfung aller Kinder bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr zu Einsparungen im Gesundheitssystem führen. Bei einer Durchimpfungsrate von etwa 68 Prozent kann mit Einsparungen von mehr als 200 Millionen Euro gerechnet werden.
Maria Weiß

Pressekonferenz „Schutz vor Pneumokokken-Infektionen für alle Säuglinge und Kleinkinder“ in Berlin, Veranstalter: Wyeth Pharma
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