ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2007Diabetes-Therapie: Vom richtigen Umgang mit dem Insulinpen

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Diabetes-Therapie: Vom richtigen Umgang mit dem Insulinpen

Dtsch Arztebl 2007; 104(1-2): A-65

Bischoff, Martin

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LNSLNS Die richtige Technik im Umgang mit dem Insulinpen ist Teil des Therapieerfolgs. So sollte der Patient mit Daumen und Zeigefinger eine Hautfalte bilden, um zu verhindern, dass er das Insulin in einen Muskel injiziert. Die Nadel sollte außerdem entweder schräg oder senkrecht auf die Haut treffen; und zwar nach einem Rotationsprinzip, jedes Mal an unterschiedlicher Stelle. Um das Insulin im Fettgewebe optimal zu verteilen, sollte das Injizieren langsam erfolgen und die Nadel erst zehn Sekunden nach Ende des Spritzvorgangs zurückgezogen werden.
Auch wäre es wichtig, die Nadel des Insulinpens häufig zu wechseln. Prof. Thomas Haak (Bad Mergentheim) empfiehlt, sie – wenn nicht schon nach jedem Spritzen – so doch zumindest täglich auszutauschen. „Die Pennadeln sind hauchdünn, hochempfindlich, und bereits beim dritten Stich muss man davon ausgehen, dass die Spitze beschädigt ist“, warnte der Diabetologe. Zudem bestehe das Risiko, dass sich die Spitze beim Stechen oder Rückführen in die Schutzhülle verbiegt oder dass nach mehrmaligem Einsatz Gewebereste an der Nadel hängen bleiben, an denen sich Keime festsetzen können.
Wirkung ist weniger gut kalkulierbar
Sticht sich ein Patient mit einer mehrfach verwendeten Pennadel wiederholt an ein und dieselbe Stelle, dann besteht die Gefahr einer Lipohypertrophie. Durch diese Verdickung des Fettgewebes verringert sich das Schmerzempfinden, was der Betroffene als angenehm empfinden mag und ihn dazu veranlasst, weiter bevorzugt in diese Lipohypertrophie zu injizieren. Problematischer ist die Tatsache, dass die Fettgewebswucherung geringer durchblutet wird. Damit wird das Insulin schlechter verteilt, und die Wirkung ist weniger gut kalkulierbar.
„Schlusslicht“ in Europa
beim Nadelwechsel
Die Probleme, die die Mehrfachverwendung der Pennadeln mit sich bringt, sind in Deutschland entweder nicht bekannt oder werden nicht ausreichend ernst genommen. Immerhin wird die Nadel hierzulande durchschnittlich erst nach 9,2 Injektionen gewechselt. Mit diesem Wert bilden wir im europäischen Vergleich eindeutig das Schlusslicht.
Zum Vergleich: In Frankreich kommt jede Nadel nur 1,5-mal zum Einsatz. Erklären lässt sich dies damit, wie Prof. Michel Pinget (Straßburg) erläuterte, dass sowohl wissenschaftliche als auch staatliche Stellen in Frankreich Diabetiker seit Jahren über die Notwendigkeit der Einmalverwendung aufklären und entsprechend schulen. Damit sich die Situation auch in Deutschland bessert, wurde die Initiative „Weil es unter die Haut geht“ gestartet.
Martin Bischoff

Pressekonferenz „Vom richtigen Umgang mit dem Insulinpen – Weil es unter die Haut geht“ in Dresden, Veranstalter: Becton Dickinson, Novo Nordisk und Ypsomed
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