ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2007Börsebius: Grüner Zweig Fehlanzeige

GELDANLAGE

Börsebius: Grüner Zweig Fehlanzeige

Dtsch Arztebl 2007; 104(1-2): A-67 / B-63 / C-59

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Gutes Tun und gleichwohl ordentliche Renditen erzielen ist für viele Anleger durchaus von Interesse. Gäbe es mehr Investments, bei denen sich ein ökologischer Hintergrund mit wirtschaftlicher Kompetenz paart, und dabei auch noch was herausspringt, würden sich etliche dafür erwärmen. Der gedankliche Ansatz ist ja auch gut.
Allein die Realität mahnt zur Vorsicht. Oft genug wird die Lust auf eine ökobasierte Rendite von windigen Geschäftemachern ausgenutzt, die unter dem Deckmäntelchen, etwas für die Umwelt zu tun, das Herz des Anlegers zu gewinnen gedenken, wo sie doch nur an dessen Kohle wollen. Anscheinend schaffen es diese Herrschaften auch oft genug mit ihren „ehrbaren“ Tricksereien. Ähnliches mag unseren Vorfahren widerfahren sein, als sie trotz frevelhaften Verhaltens durch den Ablasshandel Befreiung von ihrem schlechten Gewissen erlangten.
Nun gut, es gilt, die Hoffnung nicht aufzugeben. Vielleicht verbirgt sich hinter dem Prospekt der „ForestFinance“, der mir dieser Tage in die Hände fiel, endlich mal ein Produkt, dessen Initiatoren es ehrlich mit dem Anleger meinen. Es fängt ja richtig spannend an. Die ForestFinance, nach eigenen Angaben Deutschlands erste „BaumSpar-Kasse“ (www.baumsparkasse.de), offeriert mehrere Möglichkeiten, in „nachhaltige Tropenholz-Aufforstungen“ zu investieren.
Die dabei erzielbaren (genannten) Renditen sind alles andere als bescheiden. Beim „BaumSparVertrag“ (original aus dem Prospekt: „Wir pflanzen für Sie einen Baum. Der wächst 25 Jahre, dann ernten wir ihn, verkaufen das Holz, und der Ertrag gehört Ihnen.“) wird eine Rendite von jährlich circa 9,65 Prozent als erzielbar angesehen. Mein lieber Schwan, ich würde mich nicht trauen, so auf den Busch zu klopfen.
Noch toller geht es beim „WaldSparBuch“ zu. Den Angaben zufolge findet hier einerseits über einen Grundstückskaufvertrag „der Einstieg in den eigenen Wald“ statt, gleichzeitig wird über einen zweiten „Forstdienstleistungsvertrag“ die gekaufte Fläche nachhaltig aufgeforstet. Die Leute von ForestFinance scheuen sich nicht, eine Renditeprognose von jährlich 6,85 Prozent abzugeben. Dass die grundbuchrechtliche Eintragung erst in zwölf Jahren vorgesehen ist, so sie wirklich erfolgt, hat mir eine gute Minute Fassungslosigkeit eingebracht.
Später habe ich dann auch noch gelesen, dass beim ebenfalls angebotenen „WoodStockInvest“ neben einer möglichen Rendite von bis zu 11,5 Prozent auch noch augenzwinkernd die Ausreise nach Panama wohlfeil angeboten wird, aber das habe ich dann nur noch lustig gefunden. Übrigens, der „echte“ Vertragspartner sitzt heute schon in Panama, viel Spaß also beim Prozessieren.
Wer dennoch in die Hölzer von ForestFinance investieren will, mag es tun. Auf einen grünen Zweig wird er meiner Meinung nach nicht kommen. Eher auf den Holzweg.
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