ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2007Gesundheitswesen: Zunehmender Wettbewerb kostet viele Arbeitsplätze

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Gesundheitswesen: Zunehmender Wettbewerb kostet viele Arbeitsplätze

Dtsch Arztebl 2007; 104(1-2): [131]

Flintrop, Jens

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LNSLNS Um Kosten zu sparen, rechnen die Fach- und Führungskräfte im Gesundheitswesen mit einem massiven Personalabbau in der personalintensiven Branche.

Im deutschen Gesundheitswesen werden in den nächsten Jahren mehr als 400 000 Arbeitsplätze verloren gehen. Zu diesem Ergebnis gelangt eine aktuelle Studie, für die 100 Fach- und Führungskräfte über den Status und die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems befragt wurden. Im „iSoft-Report“ rechnet die Hälfte der Experten mit einem Rückgang der derzeit rund vier Millionen Beschäftigten im Gesundheitswesen um mindestens zehn Prozent. Fast ein Fünftel der Fachleute geht sogar von einem Arbeitsplatzabbau um bis zu 20 Prozent aus. In diesem Fall gingen möglicherweise bis zu 800 000 Arbeitsplätze verloren.
Der Personalabbau geht nach Einschätzung der Experten quer durch die Gesundheitswirtschaft mit ihren rund 123 000 niedergelassenen Ärzten, 2 200 Krankenhäusern, 65 000 Zahnärzten, 21 000 Apotheken, knapp 270 Krankenkassen und weiteren Leistungserbringern und Kostenträgern wie den Kassenärztlichen Vereinigungen und insbesondere auch den Pharmaherstellern.
Als Ursachen für den drohenden Verlust der Arbeitsplätze nennt die Studie die Stärkung der Effizienz bei den Beteiligten des Gesundheitswesens und einen massiv steigenden Wettbewerb in fast allen Bereichen. So gehen mehr als drei Viertel der Experten fest davon aus, dass es schon in naher Zukunft unter den Krankenhäusern zu einem „Kampf bis aufs Messer“ kommen wird. Um dem Wettbewerbsdruck zu begegnen, sind bei allen am Gesundheitsmarkt Beteiligten strikte Kosteneinsparungen auf allen Ebenen unvermeidbar, meinen 55 Prozent der befragten Fachleute.
„Die hohen Effizienzeinbußen im deutschen Gesundheitswesen durch die mangelhafte Koordination der verschiedenen Beteiligten können wir uns in Zukunft nicht mehr leisten“, sagt Peter Herrmann, Herausgeber der Studie und Vorsitzender der Geschäftsführung der iSoft Deutschland GmbH. Die Krankenkassen verfügten im Leistungs- und Vertragsbereich über zu geringe Gestaltungsmöglichkeiten, der stationäre Sektor leide unter der dualen Finanzierung und die Arzneimitteldistribution erfolge mit dem kürzlich erst erneut bestätigten Fremdbesitzverbot immer noch in zunftähnlichen Vertriebsstrukturen. „Und diese Liste ließe sich fast unendlich lange fortsetzen“, meint Herrmann. Es sei unvermeidlich, diese Potenziale in den nächsten Jahren zu erschließen – auch wenn dies mit dem Verlust von Arbeitsplätzen verbunden sei.
Der „iSoft-Report 2007“ über den Status und die Zukunft des Gesundheitswesens in Deutschland basiert auf einer Expertenbefragung von 100 Fach- und Führungskräften aus allen Bereichen des Gesundheitssystems: von Körperschaften des öffentlichen Rechts über Organisationen, die in staatlichem Auftrag hoheitliche Aufgaben wahrnehmen, bis hin zu privaten Verbänden einzelner Interessengruppen. Herausgeber der Studie ist die auf das elektronische Gesundheitswesen fokussierte iSoft-Gruppe, die unter anderem am weltweit größten Projekt für Informationstechnologie im Gesundheitswesen beteiligt ist.
Die Studie kann per E-Mail an team@dripke.de oder per Fax unter der Nummer 06 11/71 92 90 angefordert werden.
Jens Flintrop
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