ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2007Rückblick auf 2006: Politik in der Kritik

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Rückblick auf 2006: Politik in der Kritik

PP 6, Ausgabe Januar 2007, Seite 1

Bühring, Petra

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LNSLNS Für den Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Köhler, war ein Ergebnis des vertragsärztlichen Referendums überraschend: Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) werden von den Psychologischen Psychotherapeuten besser bewertet als von den Ärzten (siehe Interview, Seite 9). Köhler vermutet, dass dieses Lob mit einer Vergütungsregelung zusammenhängt, die „eine angemessene Vergütung für psychotherapeutische Leistungen sichert“ – Ärzte bekommen keine festen Punktwerte für ihre Leistungen. Die KVen sind zwar nicht allein für die Honorierung verantwortlich, mitentscheidend sind auch Krankenkassen und Gesetzgebung. Doch offensichtlich werde die Unzufriedenheit/Zufriedenheit auf die KVen projiziert, glaubt Köhler. Damit sich das Wohlmeinen der Psychotherapeuten nicht wieder in Proteststürme wandelt, sollte davon Abstand genommen werden, dass auch psychotherapeutische Leistungen als Fallpauschalen vergütet werden, wie derzeit im Entwurf zum GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) vorgesehen. Sie müssen weiterhin als Einzelleistungen vergütet werden.
Das Jahr 2006 wird im Nachhinein am wahrscheinlichsten mit dieser vielfach kritisierten Gesundheitsreform in Verbindung gebracht werden. Im Sinne der Belange psychisch Kranker bleibt aber vielleicht in Erinnerung, dass mit dem GKV-WSG ein Basistarif mit Kontrahierungszwang in der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) eingeführt werden soll. Damit würde zwar das System der PKV auf den Kopf gestellt, Verfassungsklagen sind auch noch nicht ausgeschlossen, aber der bisherigen Diskriminierungspraxis psychisch Kranker bei der Antragstellung kann der geplante Basistarif entgegenwirken.
Denkwürdig am Jahr 2006 war auch ein Beschluss des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA): Die Gesprächspsychotherapie erfülle die Voraussetzungen für die Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung nicht, eine Aufnahme in den GKV-Leistungskatalog sei damit ausgeschlossen, entschied der G-BA im November (siehe PP 11/2006). Die Kritik an dieser Entscheidung ebbt nicht ab. Aus Sicht der Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie e.V. (GwG) stellen der Beschluss und seine Begründung „einen Affront gegen die Fachwissenschaft dar und kommen einem wissenschafts- und gesundheitspolitischen Skandal gleich“, schreibt Prof. Dr. Jürgen Kriz, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der GwG in einer öffentlichen Erklärung. Die Aussichten für 2007: Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium hat die Möglichkeit, den Beschluss zu beanstanden, und auch eine Klage der Fachverbände ist wahrscheinlich.
Zum Schluss noch eine Anmerkung in eigener Sache: Mit der Dezemberausgabe hat die Redaktion die Rubrik „Kinder-Psyche“ abgeschlossen. Die Bilder, erstellt von psychisch kranken Jugendlichen aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Marburg, auf dem Titel von PP haben vielen Lesern sehr gut gefallen. 2007 schafft Platz für ein neues Konzept aus altbewährter Feder. Der Psychotherapeut und Kunstsammler Dr. med. Hartmut Kraft stellt Fotokunst in großer Bandbreite vor: inszenierte, überarbeitete und collagierte Fotos aus psychoanalytischer Sicht interpretiert. Die Rubrik „Kunst und Psyche“ gefällt hoffentlich auch im neuen Jahr.
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