ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2007Eltern-Kind-Bindung: Vorsicht
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Foto: lucas/FOTOLIA
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Vorsicht vor dem deutschen Mutterideal. In keinem anderen europäischen Land wird die Mutterrolle so glorifiziert und überbewertet wie in Deutschland. Allein in ihren Händen liegt das Schicksal ihrer Kinder. Nur sie garantiert durch ihre stete Anwesenheit die Entwicklung ihrer Kinder zu psychisch gesunden und bindungsfähigen Menschen. Was für ein Unsinn. Jedes Kind hat nicht nur eine Mutter, sondern auch einen Vater. Säuglinge, Babys, Klein- und Großkinder brauchen Eltern, Omas und Opas, nette Nachbarinnen und Nachbarn, Kinderfrauen (oder vielleicht auch mal -männer?), Tagesmütter und Tagesväter, Erzieherinnen und Erzieher, Freundinnen und Freunde, Onkel und Tanten und Geschwister. Die Fixierung auf die Mutter als allein selig machende, naturgegebene Rundumversorgerin ist für beide Seiten die denkbar schlechteste Lösung. Das Kind hat keine Chance, auch mal andere Verhaltens- und Herangehensweisen als die mütterlichen kennenzulernen und die Mutter wird depressiv bis degeneriert durch die tägliche Isolation mit einem kleinen, in jeder Hinsicht von ihr abhängigen Menschen. Der seit vielen Jahren geklagte Ärztemangel ist in Wahrheit ein Ärztinnenmangel, weil hervorragend ausgebildete Kolleginnen nach der Geburt ihres Kindes daheim herumhocken, um die ja ach so sensible frühkindliche Entwicklung nicht zu gefährden . . .
Melanie Urbschat, Gellertstraße 42,
76185 Karlsruhe
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