ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2007Psychotherapie und Beratung: Neues zu personaler und sozialer Kompetenz

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Psychotherapie und Beratung: Neues zu personaler und sozialer Kompetenz

PP 6, Ausgabe Januar 2007, Seite 43

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LNSLNS Eine Voraussetzung für gelingende Interventionen sind gute theoretische Grundlagen bei Therapeuten und Beratern. Potreck-Rose und Jacob geben in ihrem Buch eine gelungene Einführung in die Theorie des Selbstwerts. Neben der Definition des Begriffs „Selbstwert“, werden die Bezeichnungen „Selbstwertgefühl“, „Selbstvertrauen“ und „Selbstakzeptanz“ vorgestellt und abgegrenzt. Die Autorinnen beschreiben Korrelate des Selbstwerts und machen mit den Quellen vertraut.
Die Säulen des Selbstwerts
Es werden vier Säulen des Selbstwerts begründet: die Selbstakzeptanz (die positive Einstellung zu sich selbst als Person), das Selbstvertrauen (die positive Einstellung zu den eigenen Fähigkeiten und Leistungen), die soziale Kompetenz (das Erleben von Kontaktfähigkeit) und das soziale Netz (das Eingebundensein in positive soziale Beziehungen).
Weil Selbstwert unterschiedliche Facetten hat, können Interventionen systematisch geordnet werden. Veränderungen beginnen auf jeden Fall im Kopf und setzen sich im Leben fort. Mut macht Seemann Personen, die Eigenschaften der Introversion an sich selbst negativ beurteilen, Veränderungen nicht als unmöglich anzusehen. Sie stellt in ihrem Buch eine Reihe von weiterführenden Übungen vor. Bei Frauen und schüchternen Männern geht es häufig um das Hervortreten, das Sich-trauen. Bei der ersten Übung geht es jedoch um den Schutz und das Gefühl der Sicherheit, das Voraussetzung für alles Weitere ist. Durch die Imaginationsübung „Die Mantelübung“, bei der man sich Schutz durch ein einhüllendes Tuch vorstellen kann, findet eine Abgrenzung zur Außenwelt und eine Orientierung auf das eigene Selbst statt.
Potreck-Rose beschreibt, wie es als erster Schritt wichtig ist, innezuhalten und achtsam zu werden. Die Einstellungsänderung zum Annehmen dessen, wie es jetzt gerade ist, das Leben im Hier und Jetzt kann durch spezielle, einfache Übungen aus dem Alltag und im Alltag angestoßen werden: Die Achtsamkeit für alltägliche Bewegungsabläufe kann in den Fokus geraten, wobei als Beispiel das Telefonieren beschrieben wird. In einem anderen Beispiel geht es um die Achtsamkeit für Gefühle und Bedürfnisse, was an der Freude erläutert wird. In weiteren Schritten zeigt Potreck-Rose, wie der Teufelskreis der Selbstentwertung durch einen wohlwollenden inneren Begleiter durchbrochen werden kann, wie der innere Kritiker und Antreiber gemäßigt wird und wie – unter der Überschrift „den Faulpelz rehabilitieren“ – wieder freie Zeit und Müßiggang organisiert werden. Weil diese Veränderungen nicht von heute auf morgen vonstatten gehen, können Planung, Übung, Geduld und Erfolgskontrolle elementar sein, um zum Ziel zu kommen.
Praktisch erprobtes Manual
Drexler hat mit dem ISP ein spezielles integriertes Stressbewältigungsprogramm entwickelt, mit dem Psychotherapeuten und psychologischen Beratern ein schulenübergreifendes, praktisch erprobtes Manual an die Hand gegeben wird, das vom Kursleiter je nach Gruppenzusammensetzung flexibel zusammengestellt werden kann. Das Buch, in dem das Programm ausführlich beschrieben wird, ist in drei Kapitel unterteilt. Im ersten wird ein Überblick gegeben. Präzise und knapp werden theoretische Grundlagen zusammengefasst. So werden aus der Resilienzforschung, die sich mit der physischen und psychischen Widerstandfähigkeit beschäftigt, mit der Menschen Lebenskrisen meistern, sechs wesentliche Merkmale extrahiert. Dann werden der allgemeine Aufbau, das Konzept und die Zielbeschreibung behandelt. Überlegungen zum Kursleiterverhalten und zur Gruppendynamik schließen dieses Kapitel ab. Im folgenden Kapitel wird mit den allgemeinen Rahmenbedingungen, der Struktur und Gestaltung der Sitzungen sowie der Begleitdiagnostik die Praxis des Kursprogramms vorgestellt. Das umfangreichste Kapitel stellt das dritte dar, in dem die Durchführung des Kursprogramms systematisch und ausführlich behandelt wird. Zuerst werden unter der Überschrift „Warming-up“ Vorbereitungen für eine gute Gruppenatmosphäre und innere Haltung der teilnehmenden Personen geschaffen, Erwartungen und Ziele geklärt sowie Stressmodelle vermittelt. Dann geht es in medias res, und es werden der Körper, die Gedanken und die Gefühle als die drei wesentlichen Interventionsebenen einzeln behandelt. Die Unterpunkte sind jeweils so strukturiert, dass ein Überblick gegeben wird und Ziele beschrieben werden. Danach geht es um das praktische Vorgehen, und es werden Übungen vorgestellt. Zuletzt wird die Perspektive erweitert, in einer Zusammenfassung werden Möglichkeiten der Veränderung diskutiert. Es wird auf ein breites Spektrum therapeutischer Möglichkeiten zurückgegriffen, beispielsweise kommen beim Thema „Gedanken“ Strategien aus der rational-emotiven Therapie, der Transaktionsanalyse und der Hypnotherapie zum Einsatz. In den letzten beiden Abschnitten geht es um einen selbst verantworteten, sinnvollen Umgang mit der Zeit, die Sensibilisierung für die Bedeutung des sozialen Austausches sowie die Beendigung des Kurses. Dem Buch liegt eine CD-ROM mit vielen Arbeitshilfen bei. Joachim Koch

Diana Drexler: Das integrierte Stress-Bewältigungsprogramm ISP. Klett-Cotta, Stuttgart, 2006, 254 Seiten, broschiert, mit CD-ROM, 26,50 €
Friederike Potreck-Rose: Von der Freude, den Selbstwert zu stärken. Klett-Cotta, Stuttgart, 2006, 128 Seiten, kartoniert, 12,90 €
Friederike Potreck-Rose, Gitta Jacob: Selbstzuwendung, Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen. 3. Auflage, Klett-Cotta, Stuttgart, 2005, 239 Seiten, kartoniert, 23 €
Hanne Seemann: Selbst-Herrlichkeits-Training für Frauen . . . und schüchterne Männer. Klett-Cotta, Stuttgart, 2006, 96 Seiten, mit CD, 14,90 €
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